Am 1. Januar 2024, unmittelbar nach dem Jahreswechsel, wurde die Region Noto in der Präfektur Ishikawa von einem schweren Erdbeben erschüttert. Die minutenlangen Erschütterungen veränderten die Landschaft und erschütterten das Leben vieler Menschen grundlegend. Zwei Monate nach der Katastrophe kehrt ein Stück Alltag zurück, doch zahlreiche Herausforderungen bestehen fort. Gerade in dieser Situation möchten wir durch authentische Stimmen aus dem Katastrophengebiet vermitteln, was vor Ort geschieht und was benötigt wird.
In diesem Beitrag haben wir ein wertvolles Online-Interview mit Kumi geführt, die eng mit #notopeninsula verbunden ist. Wir haben ausführlich über Kumis Gefühlswelt während der schwierigen Zeit im Katastrophengebiet Noto, die aktuelle Situation in der Region und ihre Perspektiven für die Zukunft gesprochen.
Plötzliche Katastrophe und Verwirrung
„Warum musste so etwas gleich zu Neujahr passieren...“
Mitten in den Neujahrsfeierlichkeiten, als alle fröhlich zusammenkamen, veränderten ein plötzliches Erdbeben und eine Tsunamiwarnung alles schlagartig. Die Stadt wurde schwer getroffen, viele Menschen mussten in Notunterkünften Zuflucht suchen.
Image by Jang Kumi
Emotionen unmittelbar nach der Katastrophe
Das Chaos und die Angst während des Bebens sowie die unsicheren Tage danach hinterließen tiefe Spuren in den Herzen der Betroffenen. Der Verlust von Zuhause und Lebensgrundlage sowie die Ungewissheit über die Zukunft lasteten schwer auf ihnen.
„In dem Moment, als sich alles schlagartig veränderte, mussten wir ernsthaft darüber nachdenken, was zu tun ist und wie wir weitergehen können“, erinnert sich Kumi an diese Zeit.
Image by Jang Kumi
Festhalten in Fotografien – Nicht vergessen
„Inmitten all der Schwierigkeiten fällt es mir schwer, die Kamera auf solch schmerzhafte Szenen zu richten“, sagt Kumi. Dennoch griff sie zur Kamera, um das Geschehen zu dokumentieren. Ihr Antrieb: „Das, was wir erleben, für die Nachwelt festzuhalten, ist eine der wenigen Handlungen, die uns möglich sind.“ Berge von Trümmern, zerstörte Häuser und sich wandelnde Landschaften – die Fotografie wird zum kraftvollen Medium, das unaussprechliche Realitäten vermittelt.
Image by Jang Kumi
„Mit dem Fortschreiten der Aufräumarbeiten werden die alten Landschaften verschwinden, als wäre nie etwas gewesen. Dann beginnt etwas Neues, doch ich muss die letzten Eindrücke dieses Ortes festhalten – für mein eigenes Seelenheil.“ Was jetzt noch sichtbar ist, wird bald verschwunden sein. Natürlich wünscht sie sich eine schnelle Rückkehr zur Normalität, aber das Vergessen der Katastrophe ist nicht ihr Ziel.
Der Weg zur Wiederherstellung ist noch weit
Während die grundlegende Infrastruktur nach und nach wiederhergestellt wird, leben viele Bewohner der Noto-Halbinsel weiterhin unter schwierigen Bedingungen in provisorischen Unterkünften. „Strom ist zwar wieder da, und das Wasser fließt, aber das bedeutet nicht, dass das Leben wie früher ist“, berichten die Menschen vor Ort. Trotz der Rückkehr der Lebensadern bleiben viele Herausforderungen wie Wohnraum, Arbeit und Lebensqualität bestehen.
Image by Jang Kumi
Ein besonders gravierendes Problem: In kleinen Siedlungen verzögert sich die Wiederherstellung der Wasserversorgung, sodass einige Bewohner Wasser aus bis zu 10 km Entfernung holen müssen. „Es gibt Orte, in denen das Wasser noch nicht angekommen ist, und die Menschen müssen weite Strecken zurücklegen, um Wasser für den Alltag zu beschaffen.“ Auch wenn die Medien von Fortschritten berichten, ist das Leben im Katastrophengebiet noch weit von der Normalität entfernt.
Kontinuierlicher Appell für Freiwilligenarbeit und Unterstützung
Obwohl der Alltag langsam zurückkehrt, bleibt die Unsicherheit über die Zukunft bestehen. „Wir haben unsere Häuser und unsere Arbeit verloren, aber wir versuchen, das Lächeln nicht zu verlieren. Dennoch bleibt die Sorge um die Zukunft. Wir wollen stark sein, aber dafür brauchen wir Unterstützung von außen. Bitte begleitet unsere kleinen Fortschritte und vergesst uns nicht. Das Leben der Menschen im Katastrophengebiet ist noch lange nicht wieder normal“, appelliert Kumi.
Image by Jang Kumi
Freiwilligenarbeit bedeutet nicht nur, vor Ort zu helfen. Auch Spenden, Sachleistungen oder das Teilen von Informationen sind wertvolle Beiträge. Nicht nur Menschen aus Ishikawa, sondern auch aus anderen Regionen können helfen, die Herausforderungen zu bewältigen.
Informationen zu Freiwilligenangeboten finden sich beispielsweise auf der Website der Präfekturverwaltung Ishikawa. Auch wenn die Einsatzzeiten begrenzt sind, bieten NPOs und lokale Gruppen oft Unterstützung wie Übernachtungsmöglichkeiten an. Wer sich informiert und überlegt, wie er helfen kann, leistet einen wichtigen Beitrag für das Katastrophengebiet.
Image by Jang Kumi
#notopeninsula
Wir von cizucu möchten auf die kreative Kraft der Community setzen. Es geht darum, das kulturelle und natürliche Erbe der Noto-Halbinsel sowie die aktuellen Herausforderungen sichtbar zu machen. Bitte teilt eure in Noto aufgenommenen Fotografien mit dem Hashtag #notopeninsula und einer Botschaft. Mit euren kleinen Gesten und eurer Unterstützung können wir gemeinsam zur Wiederherstellung der Region beitragen.
Charity-Fotoausstellung geplant
Trotz der schwierigen Situation dokumentieren Kumi und weitere Fotograf:innen aus der Region Noto die aktuellen Ereignisse. Eine dieser Initiativen ist eine für Ende März in Kashiwazaki, Präfektur Niigata, geplante Fotoausstellung.
Im Fokus steht das stark von Tsunami und Bränden betroffene, bislang wenig unterstützte Viertel Shiramaru in Noto. Die Ausstellung ruft zu anhaltender Aufmerksamkeit für das Katastrophengebiet auf. Die Fotografien zeigen die noch erhaltenen, von der Katastrophe verschonten Landschaften von Shiramaru und bewahren so wertvolle, vom Verschwinden bedrohte Ansichten.
Abschließend danken wir Jang Kumi herzlich für die Unterstützung bei der Recherche und wünschen allen Betroffenen Sicherheit und eine rasche Wiederherstellung.
Jang Kumi
Geboren in Wajima, Präfektur Ishikawa, wohnhaft in Noto. Liebt die Natur, Feste und Blumen der Noto-Halbinsel.
Instagram: oknt_photograph
cizucu: Jang Kumi
HP: OKUNOTO PHOTOGRAPH
cover image by Jang Kumi











