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Grenzen und Distanzen ins Abstrakte zurückführen | Fotograf: zawa | ISSUE #18

By cizucu · 10. Dezember 2023

Grenzen und Distanzen ins Abstrakte zurückführen | Fotograf: zawa | ISSUE #18
Grenzen und Distanzen ins Abstrakte zurückführen | Fotograf: zawa | ISSUE #18

„ISSUE“ erforscht die Sensibilität und Denkweisen von Kreativen aus aller Welt und bietet neue Inspirationsquellen. In „ISSUE #18“ tauchen wir in die Welt des Fotografen zawa ein, der die Widersprüche zwischen durch Sprache definierten Grenzen und Distanzen und der Realität fotografisch thematisiert.

Taiwan und Japan – Wenn zwei Perspektiven sichtbar werden

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Image by ザワ

Während seiner Schulzeit führte ein einjähriger Austausch auf Okinawa dazu, dass zawa sich entschloss, an einer japanischen Universität zu studieren. Wann begann er, die durch Sprache geschaffenen Grenzen und Distanzen als irritierend zu empfinden?

Mit der Kamera in der Hand hielt er seine Heimat Taiwan vor seiner Abreise nach Japan für eine vertraute, alltägliche Umgebung. Doch nach einiger Zeit in Japan, als er zurückkehrte, verspürte er immer häufiger das Bedürfnis, den Auslöser zu drücken, und entdeckte viele neue Facetten. „Gerade weil ich zwischen Taiwan und Japan pendle, eröffnen sich mir zwei Blickwinkel. Der Prozess, Japan und Taiwan immer wieder neu zu entdecken, hat mein künstlerisches Thema maßgeblich beeinflusst“, reflektiert er.

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Image by ザワ

Eines der prägenden Erlebnisse war die Frage: „Wo verläuft eigentlich die Grenze zwischen Taiwan und Japan?“

Grenzen und Distanzen als Ausdrucksmittel entschlüsseln

„Während meines Aufenthalts auf Okinawa dachte ich: Das ist zwar Japan, aber mein Heimatland Taiwan ist von hier aus näher als Tokio. An klaren Tagen kann man von der Ostküste Taiwans die Insel Yonaguni sehen. Es ist so nah, dass man sie fast mit einer Ölfassfähre erreichen könnte. Für mich war Okinawa ein Ort voller kultureller Vielfalt, aber zugleich auch ein seltsam vertrauter Ort, der an meine Heimat erinnerte“, erzählt zawa über seine Zeit als Austauschstudent.

Doch die Menschen auf Okinawa sind – im Sinne des japanischen Passes – selbstverständlich Japaner, und Okinawa ist Teil des japanischen Staatsgebiets. In diesem Moment wurde ihm bewusst, dass das Konzept von Grenzen ein menschengemachtes Konstrukt ist. Gleichzeitig erkannte er, dass die emotionale Wahrnehmung von Grenzen und Distanzen zwischen Orten nicht zwangsläufig mit sprachlich definierten Konzepten übereinstimmt. Vielleicht sind die Grenzen, die wir als real empfinden, so vielfältig wie die Gedanken der Menschen selbst.

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Image by ザワ

Es sind nicht die durch Linien gezogenen Grenzen, sondern individuell gesetzte, persönliche Grenzen. Um diese konkreten Grenzen wieder ins Abstrakte zurückzuführen, veranstaltete zawa in diesem Jahr eine Fotoausstellung, die die Ambivalenz von Grenzen thematisierte.

Vertiefung des Schaffens durch Zuhören

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© zawa・ザワ

Um die Reflexion über Grenzen und Distanzen zu fördern, reduzierte zawa die Bildunterschriften in der Ausstellung auf ein Minimum. Sprache dient zwar der klaren Vermittlung von Inhalten, doch durch die Reduktion der Beschriftungen beeinflusst er, wie das Publikum die Fotografien wahrnimmt. Durch die gleichzeitige Präsentation von Aufnahmen aus Taiwan und Japan ohne erklärende Texte konnten die Besucher:innen sich frei von sprachlichen Grenzziehungen ausschließlich auf die visuelle Ebene einlassen.

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© zawa・ザワ / Während der Ausstellung „UNTITLED FOLDER“

„Es war wie ein experimenteller Beweis im Bereich der künstlerischen Praxis, zu erfahren, wie das Publikum Fotografien mit oder ohne Worte betrachtet und darauf reagiert“, sagt zawa. Auch der Austausch mit den Besucher:innen war für ihn eine wertvolle Lernerfahrung.

Die Suche nach Individualität in der Fotografie

„Wenn man kontinuierlich fotografiert, findet man zwangsläufig eine eigene Perspektive“, so zawa. Er erinnert sich an eine prägende Begegnung mit dem Fotografen Yōzō Fujita, Autor von Werken wie „Sekaiisan Hōrōki“ und „Sekai“, der ihm eine Bildbesprechung gab. „Er riet mir, die Beziehung und Distanz zwischen mir und dem Motiv stärker in die Fotografie einfließen zu lassen. Tatsächlich hatte ich zuvor unbewusst eine Grenze zwischen mir und dem Motiv gezogen – und gerade diese Grenze möchte ich künftig weiter auflösen“, beschreibt zawa seine Motivation für zukünftige Projekte.

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Image by ザワ

Abschließend betont zawa, dass in einer globalisierten Welt, in der Individualität scheinbar zunimmt, paradoxerweise oft nur das Bild von Individualität überwiegt. Er möchte den Auslöser so lange weiter betätigen, bis er seine eigene, unverwechselbare Perspektive gefunden hat. Gerade weil er in der Ambivalenz von Grenzen lebt, lohnt es sich, seinen Blick auch künftig aufmerksam zu verfolgen.

Information
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zawa | ザワ

Geburtsname: Xu Shinze (許 信澤). Während der Schulzeit begann er durch die Empfehlung seines Kunstlehrers mit einer Canon EF, analoge Fotografie zu betreiben. Aus der Perspektive sowohl Taiwans als auch Japans thematisiert er in seinen Werken das Unbehagen gegenüber „künstlichen Grenzen“. Unter den Hochgleisen von Beppu realisierte er Fotoausstellungen wie „Lens of Life“ und „UNTITLED FOLDER“ und widmet sich vor allem der Street Photography.

cizucu:ザワ
Instagram:@zawa_rudo_0110

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Table of Contents

  • Taiwan und Japan – Wenn zwei Perspektiven sichtbar werden
  • Grenzen und Distanzen als Ausdrucksmittel entschlüsseln
  • Vertiefung des Schaffens durch Zuhören
  • Die Suche nach Individualität in der Fotografie
  • Empfehlungen der Redaktion
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