ISSUE widmet sich der tiefgehenden Erkundung der Sensibilität und Denkweise von Kreativen weltweit – eine Einladung zu neuer Inspiration.
In „ISSUE #8“ stellen wir zehn Fragen an Sou Igarashi, Vorsitzender des Kameraclubs der Doshisha-Universität und aktives cizucu PRO-Mitglied, um mehr über seinen Hintergrund und seine unverstellte Freude am Fotografieren zu erfahren.
Q1. Über dich
Mein Name ist Sou Igarashi, aber unter Freunden werde ich oft „Garaso“ genannt. Mittlerweile trete ich unter dem Namen „Rasshii“ auf – der Name hat keinen besonderen Ursprung, ich habe ihn einfach spontan gewählt (lacht).
Ich studiere Maschinenbau an der Fakultät für Wissenschaft und Technik der Doshisha-Universität und bin Vorsitzender des „Doshisha University Camera Club (Kamekura)“. Wir sind weniger ein Kollektiv, das fotografische Werke produziert, sondern vielmehr eine Gruppe von Menschen, die das Fotografieren aus purer Freude lieben.
Auch wenn die künstlerische Fotografie ihren Reiz hat, ist es mir wichtig, dass das ursprüngliche Gefühl – „Fotografieren macht Spaß“ – im Vordergrund steht. Deshalb organisiere ich viele Einführungs-Workshops und Events. Mittlerweile ist unser Club auf rund 180 Mitglieder angewachsen, was viel Koordination erfordert, aber ich plane, künftig auch Barbecues und andere Aktivitäten zu veranstalten.
Image by らっしぃ
Q2. Deine erste Erinnerung an das Fotografieren
Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich nicht mehr genau an mein allererstes Foto.
Schon als Kind mochte ich Technik und habe gerne mit Videokameras gespielt. Damals ging es mir weniger ums Fotografieren oder Filmen selbst, sondern vielmehr um das angenehme Gefühl, die Technik zu bedienen.
Die Freude am Fotografieren entdeckte ich erst in der Oberschule. Ich bekam früher als andere das neueste iPhone und war beeindruckt, wie sehr sich die Bildqualität von der meiner Freunde unterschied. Damals kannte ich mich mit Kameras noch nicht aus, aber das Erlebnis, schönere Fotos als andere zu machen, ist mir im Gedächtnis geblieben. Von da an wollte ich irgendwie Bilder machen, die sich von denen anderer unterscheiden.
Als ich dann an die Universität kam, kaufte ich mir meine erste spiegellose Kamera, eine Sony α7 III. Es war Frühling, also wollte ich zuerst Blumen fotografieren und bin alleine in den botanischen Garten gegangen.
Ich habe festgestellt, dass das Fotografieren auch alleine Spaß macht. Die Zeit, in der ich im Dialog mit mir selbst fotografiere, empfinde ich als sehr bereichernd. Wenn ich die Kamera um den Hals trage, komme ich leicht mit anderen Fotograf:innen ins Gespräch – so hat sich meine Welt wirklich erweitert.
Q3. Deine Einstellung zu Ausrüstung
Ich habe eigentlich keine besonderen Ansprüche an meine Ausrüstung. Vielleicht liegt das daran, dass ich mich noch nicht so gut mit Kameras auskenne.
Für mich ist die Kamera in erster Linie ein Werkzeug, um zu fotografieren – technische Spezifikationen sind mir nicht so wichtig. Meine Sony α7 III habe ich mir vor allem gekauft, weil ich das Auslösegeräusch mochte und sie angenehm in der Hand lag – weder zu schwer noch zu leicht.
Eine kleine Anekdote: Als ich die Kamera damals bei Yodobashi Camera kaufen wollte, war sie überall ausverkauft. Der Verkäufer sagte mir, es würde mindestens zwei Monate dauern, bis sie wieder verfügbar sei. Während ich das Reservierungsformular ausfüllte, wurde plötzlich ein storniertes Exemplar frei – so konnte ich sie doch noch am selben Tag kaufen.
Es fühlte sich an, als würde die Kamera mich rufen: „Kauf mich!“ – da musste ich einfach zuschlagen (lacht). Deshalb werde ich wohl so schnell nicht auf ein anderes Modell umsteigen.
Image by らっしぃ
Q4. Musik, die du zuletzt gehört hast
Ich liebe die Band Mrs. GREEN APPLE. Auch in ihren energiegeladenen Songs finden sich in den Texten oft feine Nuancen von Melancholie und Nachdenklichkeit – diese Gegensätze faszinieren mich und deshalb höre ich sie oft.
Es gibt Zeiten, in denen man Schwierigkeiten überwinden muss. Ihr neuester Song „Que Sera Sera“ vermittelt genau diese Haltung: Es ist okay, Fehler zu machen, und gibt Menschen Mut, weiterzumachen.
Mein absoluter Favorit ist jedoch „New My Normal“, der direkt nach ihrer Pause veröffentlicht wurde. Ein Song, der Dankbarkeit in den Mittelpunkt stellt und den ich immer noch gerne höre. Die Melodie wirkt heiter und hell, aber die Texte setzen sich auch mit den dunkleren Seiten des Lebens auseinander und versuchen, diese zu überwinden. Das gibt mir Mut.
Q5. Kreative, die dich inspiriert haben
Was Fotografie betrifft, habe ich auf YouTube oft die Kanäle von Keisuke Takazawa und der Fotografin Moronnon verfolgt – schon bevor ich meine eigene Kamera hatte.
Ich liebe Werke in Pastellfarben, und mein farbliches Vorbild ist Yuri, die auf Instagram aktiv ist.
Q6. Kamera, die du gerne ausprobieren würdest
Ich würde gerne die FUJIFILM X-T5 ausprobieren.
Q7. Deine Lieblingssituation beim Fotografieren
Manche Profis bevorzugen bewölkte Tage, aber ich mag es, wenn die Sonne kräftig scheint.
Ich liebe diesen zarten, funkelnden Look alter Filmfotografie, daher freue ich mich auch über Flares und Ghosting bei Gegenlichtaufnahmen.
Wenn Licht und Schatten schön zur Geltung kommen, entsteht Tiefe und Dreidimensionalität – Sonnenlicht ist für mich daher unverzichtbar.
Image by らっしぃ
Q8. Was du nicht so cool findest
Da gibt es eigentlich nichts Konkretes.
Was mir jedoch wichtig ist, ist meine Gesundheit. Ich achte darauf, möglichst wenig Ungesundes zu essen und Alkohol zu vermeiden.
Ich glaube, Gewohnheiten sind für uns Menschen entscheidend. Manchmal übertreibe ich es zwar mit Essen und Trinken, aber wenn das zur Gewohnheit wird, macht mir das Angst.
Mit Blick auf die nächsten fünf oder zehn Jahre möchte ich lieber diszipliniert leben, als in einen nachlässigen Lebensstil zu verfallen.
Q9. Wo du normalerweise Kleidung kaufst
Ich lasse mich oft von Outfits auf sozialen Netzwerken inspirieren und suche dann ähnliche Kleidung bei Uniqlo oder GU. Da ich das Gefühl habe, teure Kleidung im Alltag nicht richtig nutzen zu können, kaufe ich selten komplette Outfits von hochwertigen Marken. Aber ich liebe es, einzelne besondere Stücke als Akzent zu integrieren.
Da ich Kleidung als Verbrauchsgegenstand sehe, halte ich die Kosten möglichst niedrig. Am besten sind Kleidungsstücke, bei denen ein Sojasoßenfleck nicht traurig macht (lacht).
Q10. Über deine bevorzugten Einstellungen
Das variiert, aber da ich Aufnahmen mit viel Sonnenlicht und schönem Bokeh mag, fotografiere ich meist mit offener Blende.
Was die anderen Einstellungen betrifft, fotografiere ich zwar auch manuell, aber meistens nutze ich den Blendenvorwahlmodus. Für mich ist die Kamera ein Werkzeug, um besondere Momente festzuhalten – wenn ich diese ehrlich einfangen kann, bin ich zufrieden. Da ich an der naturwissenschaftlichen Fakultät studiere, lerne ich auch viel über Kameratechnik in den Vorlesungen. Daher vertraue ich oft darauf, dass die Kamera die perfekten Einstellungen für den jeweiligen Moment vorschlägt, und genieße das Fotografieren einfach.
Bei Gruppenfotos oder Nachtaufnahmen mit Mitzieheffekt fotografiere ich manchmal auch manuell. Da mir der Blendenvorwahlmodus am ehesten entspricht, wechsle ich nur dann in den manuellen Modus, wenn es sich nicht richtig anfühlt.
Ein Foto, aufgenommen mit dem iPhone
Image by らっしぃ
Sou Igarashi
Sou Igarashi, geboren 2002 in der Präfektur Kyoto. Vorsitzender des Fotoclubs an der Universität und auch unter dem Namen „Rasshii“ aktiv. Nach dem Motto „Die Kamera ist das beste Werkzeug, um Erinnerungen und schöne Momente einzufangen“ hält er alltägliche Szenen in Pastellfarben fest.
cizucu: らっしぃ
Instagram: @rassyii._.pastel





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