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Einblicke von der Straße | 10 Fragen an Koji Takasaki | ISSUE #7

By cizucu · 13. Mai 2023

Einblicke von der Straße | 10 Fragen an Koji Takasaki | ISSUE #7
Einblicke von der Straße | 10 Fragen an Koji Takasaki | ISSUE #7

'ISSUE' widmet sich der vertieften Auseinandersetzung mit der Sensibilität und Denkweise von Kreativen weltweit – eine Einladung zu neuer Inspiration.
In 'ISSUE #7' stellen wir dem Street Photographer Koji Takasaki zehn Fragen und beleuchten seine Motivation, sich immer wieder auf die Straße zu begeben, sowie die Hintergründe seines künstlerischen Ansatzes.

Q1. Über dich

Ich bin in Tokio geboren und aufgewachsen, Jahrgang 1996. Inspiriert von den Pionieren der Farbfotografie, die mit ihrem eigenen ästhetischen Blick das Zeitgeschehen und die Menschen auf der Straße festhielten, entwickelte ich eine starke Faszination für diese Künstler. Vor etwa vier Jahren begann ich, mit dem Wunsch, ihre Bildsprache im heutigen Tokio zu interpretieren, selbst zu fotografieren.

Derzeit arbeite ich hauptberuflich und widme meine freien Tage der Street Photography. Erst kürzlich, im März, hatte ich dank der Einladung von Shimazaki meine erste Ausstellung (an dieser Stelle nochmals vielen Dank!).

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By cizucu
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In letzter Zeit konzentriere ich mich fast ausschließlich auf die Stadt und die Menschen, die darin leben. Perfekt inszenierte Fotos wirken auf mich oft unecht, weshalb ich mich bewusst für eine konsequent anonyme Motivwahl entschieden habe – das ist der Ausgangspunkt meines aktuellen Stils.
Mit meinem Auslöser halte ich die stille Schönheit und die Vergänglichkeit jener anonymen Figuren fest, deren Gesichter und Namen ich nicht kenne, die aber mit bemerkenswerter Stärke und zugleich Zerbrechlichkeit im urbanen Raum existieren. Ich rahme das scheinbar Banale – den von Menschen bevölkerten, von Artefakten umgebenen Stadtraum – als außergewöhnliche Kunst. Indem ich das Licht auf die Individualität lenke, die in der heutigen Gesellschaft oft als selbstverständlich verschwindet, fühle ich mich selbst in meiner Existenz bestätigt.

Nicht nur in der Fotografie, sondern auch in Musik und Film haben mich Werke mit solchen Themen stets tief berührt. Gerade deshalb habe ich erkannt, dass dies das Feld ist, in dem ich mit echter Notwendigkeit künstlerisch arbeiten kann – und so fotografiere ich weiter auf diese Weise.

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Image by Koji Takasaki

Q2. Deine erste Erinnerung an das Fotografieren

Ob es wirklich das erste Mal war, weiß ich nicht, aber meine früheste Erinnerung ist ein Foto, das ich als Kind auf einer Familienreise im Auto gemacht habe.

Ich erinnere mich gut daran, wie ich durch das Fenster, vorbei an meinem Bruder, eine Landschaft mit vielen wehenden Fahnen fotografierte, während wir auf der Autobahn unterwegs waren. Andere Erinnerungen aus dieser Zeit sind inzwischen verblasst, das Foto existiert längst nicht mehr – ich kann mich nicht einmal erinnern, es je als Abzug gesehen zu haben. Doch allein die Erinnerung an den Moment des Auslösens ruft die Atmosphäre und das Gefühl jener Zeit erstaunlich lebendig hervor: die vorbeiziehenden Fahnen, der Wind im Gesicht, mein Bruder mit seinem Game Boy. Rückblickend erscheinen mir diese damals alltäglichen Szenen heute wunderschön und erfüllen mich mit einem guten Gefühl.

Es heißt oft, dass Fotos Erinnerungen wachrufen, und die Kraft solcher physischen und geistigen Berührungen ist vielfach beschrieben worden. Doch auch ohne ein sichtbares Bild kann allein die Erfahrung, damals an jenem Ort mit bestimmten Gefühlen fotografiert (oder fotografiert worden) zu haben, eine nachhaltige Wirkung auf das eigene Leben entfalten. Während ich diese Antwort schreibe, wird mir bewusst, dass das Fotografieren selbst – unabhängig davon, ob andere es sehen oder bewerten – für einen selbst eine tiefe Bedeutung haben kann. Vielleicht sollten wir alle, gerade in unserer Zeit, dieses Bewusstsein entwickeln.

Allerdings, seit jenem Tag sind wir als Familie nicht mehr gemeinsam verreist – das stimmt mich beim Erinnern etwas wehmütig.

Q3. Anspruch an die Ausrüstung

Ich mache derzeit keine Aufnahmen, bei denen perfekte Bildqualität oder Effizienz gefragt sind. Auch bei Street Photography experimentiere ich oft mit absichtlich langsamen Verschlusszeiten oder extrem geschlossener Blende für Panfokus – die technische Leistungsfähigkeit der Ausrüstung ist für mich kaum relevant.

Ich verwende ausschließlich gebrauchte Kameras: eine frühe und digital eine – beide haben schon mehrere Besitzer erlebt und sind im Sinne der Nachhaltigkeit echte Langläufer. Entscheidend ist für mich das haptische Erlebnis und ob das Produkt als solches den Besitz wert ist.

Bei den Brennweiten der Objektive habe ich allerdings gewisse Präferenzen. Da ich möglichst reduzierte, komprimierte Bildkompositionen anstrebe und Wert auf eine gewisse Distanz und Unauffälligkeit gegenüber meinen Motiven lege, empfinde ich Standardobjektive oft als zu weitwinklig. Für die F3 nutze ich daher meist eine 105mm Festbrennweite von Nikkor, für die XT-2 ein Telezoom von 18–135mm (APS-C). Andere Objektive verwende ich kaum. Während im Street-Bereich oft 50mm oder noch weitwinkligere Objektive üblich sind – auch ich habe früher damit gearbeitet – bin ich im Laufe meiner Entwicklung beim mittleren Telebereich gelandet, weil er meiner Bildsprache am besten entspricht.

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Image by Koji Takasaki

Q4. Musik, die du zuletzt gehört hast

Seit einigen Jahren höre ich fast ausschließlich den Folk-Musiker Nick Drake.

Nick Drake Offizieller Youtube-Kanal

Q5. Kreative, die dich inspiriert haben

Vielleicht sind es nicht alles klassische Kreative, aber den stärksten Einfluss hatten auf mich Keiichiro Hirano, Kazuo Ishiguro und Saul Leiter.

Keiichiro Hirano hat mich mit seiner bekannten Theorie des 'Dividualismus' fasziniert – seine positive Sicht auf die vagen Existenzen in der Gesellschaft hat mich tief berührt. Kazuo Ishiguro, weil ich 'Alles, was wir geben mussten' liebe. Saul Leiter, der Fotograf, wurde mir durch seine zweite Ausstellung in Tokio und den damit verbundenen Hype bekannt – ohne den damaligen Eindruck würde ich heute vermutlich keine Street Photography machen, die niemand sonst sieht.
Auch von zeitgenössischen Street Photographers, ob Amateur oder Profi, lasse ich mich immer wieder inspirieren.

Q6. Kameras, die du künftig ausprobieren möchtest

, . Und vielleicht ein riesiges Teleskop, mit dem man bis zum Saturn sehen kann, oder eine Polaroidkamera.

Q7. Lieblingssituation zum Fotografieren

Street Photography an allen Tagen außer bei bewölktem Himmel.

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Image by Koji Takasaki

Q8. Was du als 'uncool' empfindest

Bis vor Kurzem war ich jemand, der sich über jegliche Mainstream-Inhalte aufregte, aber irgendwann wurde mir klar, wie armselig das ist, wenn man selbst keine Tiefe hat – und habe damit aufgehört.

Wenn überhaupt, dann finde ich es uncool, aus Prinzip gegen den Mainstream zu argumentieren und sich damit vor dem Wesentlichen zu drücken. Das bin ich selbst.

Q9. Wo du normalerweise Kleidung kaufst

Bei Yahoo! Auctions.

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Image by Koji Takasaki

Q10. Über deine bevorzugten Einstellungen

Ich fotografiere manchmal Füße von Menschen mit 1/30 Sekunde Verschlusszeit und Blende 16.
Digitale Bilder bearbeite ich anschließend im RAW-Format, aktuell experimentiere ich mit Retusche, um eine bessere Kohärenz zu analogen Aufnahmen zu erzielen.

Dein Lieblingsbild, aufgenommen mit dem iPhone

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Image by Koji Takasaki

Information
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Koji Takasaki

Koji Takasaki, geboren 1996 in Tokio. Geprägt von einer tiefen Faszination für westliche Kultur seit seiner Jugend, fotografiert er das heutige Tokio mit einer Bildsprache, die von den Pionieren der Farbstreetphotography beeinflusst ist. In seinen Arbeiten projiziert er sein Inneres auf künstliche Umgebungen und anonyme Protagonisten und sucht durch seine künstlerische Praxis nach Sinn in einer unmittelbar erfahrbaren Welt.

Instagram: @wld_nghts

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Table of Contents

  • Q1. Über dich
  • Q2. Deine erste Erinnerung an das Fotografieren
  • Q3. Anspruch an die Ausrüstung
  • Q4. Musik, die du zuletzt gehört hast
  • Q5. Kreative, die dich inspiriert haben
  • Q6. Kameras, die du künftig ausprobieren möchtest
  • Q7. Lieblingssituation zum Fotografieren
  • Q8. Was du als 'uncool' empfindest
  • Q9. Wo du normalerweise Kleidung kaufst
  • Q10. Über deine bevorzugten Einstellungen
  • Dein Lieblingsbild, aufgenommen mit dem iPhone
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