Mit zunehmender Erfahrung in der Fotografie kann man in die Illusion verfallen, dass man alles, was man aufnehmen möchte, auch tatsächlich im Bild festhalten kann. Man entwickelt ein Gefühl für den Dynamikumfang der Kamera und kann die Einstellungen je nach Helligkeit der Szene schnell anpassen. Wenn man auch das Fokussieren beherrscht, scheint es, als könnte man die Szenerie vor sich perfekt einfangen.
Doch manchmal „zeigt“ ein Foto zu viel. Statt alles im Bild festzuhalten, kann man bewusst Silhouetten verwenden, um die Vorstellungskraft für das, was nicht sichtbar ist, zu fördern.
Die verborgenen Informationen in der „Unterbelichtung“
Ein Zustand, in dem der EV-Wert nicht ausreicht und keine Informationen im Bild sichtbar sind, wird als „Unterbelichtung“ bezeichnet. Unterbelichtung wird in der Fotografie oft vermieden, indem man den EV-Wert erhöht oder die Schatten bei der Nachbearbeitung aufhellt.
Doch Unterbelichtung ist kein Fehler. Die tiefschwarzen Bereiche können geheimnisvoll wirken und Neugier wecken. Betrachter versuchen, die fehlenden Informationen durch ihre Vorstellungskraft zu ergänzen.
Photo by naoya_ts
Die Förderung der Vorstellungskraft ist ebenfalls eine Ausdrucksform von Kunst.
Immer wieder anders
Eine weitere Methode ist die Verwendung von Unschärfe, um Silhouetten zu erzeugen. Während Unterbelichtung Informationen vollständig ausblendet, lässt Unschärfe Hinweise zurück. Diese subtilen Hinweise können den Betrachter zu den verborgenen Informationen führen.
Besonders Gesichtsausdrücke verändern sich je nach emotionalem Zustand des Betrachters. Ein Gesichtsausdruck, den man in einem positiven Moment sieht, kann anders wahrgenommen werden als derselbe Ausdruck in einem negativen Moment.
Photo by masa
Was sieht man hinter einem unscharfen Gesichtsausdruck? Diese sich ständig verändernden Eindrücke verleihen einem Werk Vielfalt.
Silhouettenfotografie im Zeitalter der sozialen Medien
Fotografie und soziale Medien sind untrennbar miteinander verbunden. In der Fotografie als Hobby, das eng mit der Kultur des Teilens verbunden ist, ist Medienkompetenz im Zeitalter der sozialen Netzwerke ein wichtiges Thema.
Im Bereich der Street Photography ist das Einbeziehen von Silhouetten eine faszinierende Ausdrucksweise. Eine einzelne Person in einer ansonsten leeren Landschaft kann dem Bild eine Geschichte oder ein Gefühl von Leben verleihen.
Photo by masa
Indem man Gesichter nicht direkt abbildet, sondern als Silhouetten darstellt, vermittelt man nicht nur ein Gefühl von Privatsphäre, sondern auch einen anspruchsvollen fotografischen Stil.




