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By cizucu ·

ISSUE widmet sich der vertieften Auseinandersetzung mit der Sensibilität und Denkweise von Kreativen weltweit – als Impuls für neue Inspirationen.
In „ISSUE #3“ stellen wir Itsuki Mori von der Kyoto University of the Arts zehn Fragen und nähern uns so seinen fotografischen Ausdrucksformen, Inspirationsquellen und künstlerischen Überzeugungen.
Ich bin Itsuki Mori. Geboren wurde ich 2001, dieses Jahr werde ich 22. Ursprünglich komme ich aus der Präfektur Shizuoka und bin derzeit Student an der Kyoto University of the Arts. Eigentlich wäre ich jetzt im vierten Jahr, aber ich habe mich entschieden, zu pausieren, weil ich ein eigenes Unternehmen gründen möchte.
Da ich zur „Corona-Generation“ gehöre, gab es keine Immatrikulationsfeier und der Unterricht fand ausschließlich online statt. Gerade an einer Kunsthochschule ist es schwierig, ohne Zugang zu den Einrichtungen zu arbeiten. Deshalb bin ich ehrlich gesagt froh, dass ich durch das Urlaubssemester meine Studienzeit verlängern konnte – es fühlt sich an wie eine Art Bonuszeit. Allerdings waren die Kosten für das Urlaubssemester im Vergleich zu anderen Hochschulen recht hoch, was ein Nachteil war.
Kürzlich habe ich mit Drohnenaufnahmen begonnen. Da die Vorschriften in der Präfektur Kyoto jedoch streng sind, fotografiere ich hauptsächlich, wenn ich aufs Land fahre oder in meine Heimat zurückkehre (lacht).

Image by Itsuki Mori
Ich mochte schon immer das Zeichnen und habe als Kind ständig Bilder gemalt. Meine Eltern brachten mir manchmal Stapel von Kopierpapier mit, und nachdem ich meine Hausaufgaben erledigt hatte, habe ich darauf unermüdlich gezeichnet.
Auch im Kunstunterricht der Grundschule war ich begeistert, und in der Mittelstufe war ich Mitglied der Kunst-AG. Rückblickend war ich wohl jemand, der sich sehr in seine Leidenschaften vertiefen konnte.
Was die Fotografie betrifft, erinnere ich mich daran, dass ich in der ersten oder zweiten Klasse der Grundschule zum ersten Mal mit einem Film, der einer Zeitschrift beilag, in Berührung kam – ähnlich wie bei einer Einwegkamera. Ehrlich gesagt, die Fotos waren überhaupt nicht gelungen, aber ich erinnere mich noch an das Gefühl, die Kamera in der Hand zu halten.
Meine erste richtige Kamera bekam ich in der vierten Klasse der Grundschule: eine Kompaktkamera von Panasonic LUMIX als Geburtstagsgeschenk.
Mit der Zeit ist mein Anspruch an die Ausrüstung vielleicht etwas zurückgegangen. Im ersten Studienjahr habe ich mir eine SONY α7 III für etwa 200.000 Yen auf Raten gekauft. Ich hänge sehr an dieser Kamera und plane nicht, das Gehäuse in nächster Zeit zu wechseln.
Bei Objektiven hingegen möchte ich, solange es mein Budget erlaubt, so viele verschiedene ausprobieren wie möglich. Ich bin überzeugt, dass Objektive das Bild maßgeblich beeinflussen.
Zurzeit mag ich besonders alte Objektive. Mein Favorit ist das 50mm Carl Zeiss Planar T* von CONTAX. Es ist rein manuell, was die Handhabung etwas erschwert (lacht). Anfangs habe ich mit einem Adapter auch Autofokus ausprobiert, aber mit der Zeit habe ich mich an die manuelle Bedienung gewöhnt.
Natürlich sind die aktuellen Sony-Objektive leistungsfähiger und haben keine Farbsäume, das Bild ist also besser. Alte Objektive hingegen stammen aus einer Zeit, in der Weitwinkel noch nicht so entwickelt war – sie sind quasi Produkte einer Übergangsphase. Dennoch haben sie einen besonderen Reiz: das charakteristische „Ausbluten“ der Bilder oder das ungewöhnliche Licht, das sie einfangen – das gibt es heute so nicht mehr. Und ehrlich gesagt, sie sind auch günstiger (lacht). Deshalb suche ich oft auf Mercari nach ihnen.
Als Filter verwende ich den BLACK MIST von Kenko – der wird oft in ausländischen Filmen und Serien eingesetzt. Er vergrößert die Highlights und verleiht den Bildern diesen „emotionalen“ Look. Wenn ich nicht gerade Produktfotos mache, lasse ich den Filter draußen eigentlich immer drauf. Manchmal übertreibe ich es mit dem Licht, aber gerade nachts gelingen damit wirklich tolle Aufnahmen.
Bei alten Objektiven verzichte ich allerdings auf den Filter, weil sie schon für sich genommen sehr eigen sind (lacht).
Aufnahme mit einem alten Objektiv
Image by Itsuki Mori
Ich höre oft Sakanaction. Die Songs „Music“ und „Slow Motion“ gefallen mir am besten. Mein großes Vorbild, Yoshiyuki Okuyama, hat das Musikvideo zu „Slow Motion“ inszeniert. Als ich das später erfuhr, war ich überrascht, wie sich mein Lieblingssong und mein Vorbild verbinden.
Außerdem mag ich King Gnu, besonders die Werke des Bandleaders Daiki Tsuneta. Auch die Songs von millennium parade, die er produziert, höre ich häufig.
Was Inspiration betrifft, so ist Yoshiyuki Okuyama, den ich eben erwähnt habe, eine große Quelle für mich.
Als Künstler bewundere ich Daidō Moriyama, der auch mit dem renommierten Hasselblad International Photography Award ausgezeichnet wurde. Er hat das Konzept der Perfektion – also das Streben nach absoluter Schärfe und Klarheit – in der Fotografie grundlegend hinterfragt. Das ist für mich sehr inspirierend. Neben der Qualität beeindruckt mich auch die schiere Menge seiner Aufnahmen, durch die er den Stil des „Schwarzabsaufens“ geprägt hat.
Außerdem Yoichi Ochiai. Nicht nur im Bereich Fotografie, sondern auch im Hinblick auf künstlerische Produktion inspiriert er mich. Ich habe ursprünglich eine technische Oberschule mit Schwerpunkt Informationssysteme besucht und war immer begeistert von Science-Fiction und neuen Technologien. Als ich dann von seinem Konzept der „Digital Nature“ erfuhr, dachte ich, dass eine Welt wie AR oder MR wirklich Realität werden könnte. Auch in meinem Lieblingsmanga „Dennō Coil“ wird eine AR-Welt dargestellt – ich hoffe wirklich, dass das eines Tages Wirklichkeit wird (lacht).
Vielleicht ist es auch dieser Hintergrund, der mich dazu gebracht hat, jetzt mit Drohnen zu fotografieren.

Image by Itsuki Mori
Natürlich träume ich schon lange von der M-Serie von LEICA.
Auch bei den Objektiven würde ich gerne einmal ein LEICA-Objektiv ausprobieren – SUMMICRON-M, SUMMILUX-M, APO-SUMMICRON M und so weiter. Ehrlich gesagt, möchte ich einfach mal eines davon in der Hand halten (lacht).
Ganz gleich, welche Situation – ich fotografiere am liebsten an klaren, sonnigen Morgen. Ich stehe gerne um halb sechs auf, um zu fotografieren. Was die Orte betrifft, mag ich wahrscheinlich alle. Wenn ich einen Ort besuche und das Bedürfnis habe, dort zu fotografieren, dann ist das vermutlich ein Ort, den ich mag.
Ich mag sowohl Drohnenaufnahmen als auch klassische Fotografie. In Japan ist das Fliegen von Drohnen oft schwierig, daher ist es manchmal angenehmer, einfach spontan zu fotografieren.

Image by Itsuki Mori
Da gibt es vielleicht einiges (lacht).
Kürzlich habe ich auf Twitter gesehen, wie jemand die japanischen Stadtbilder als „Fake Japan“ bezeichnet hat – also etwa Stadtteile wie Asakusa, die für ausländische Touristen inszeniert wurden. Aus japanischer Sicht wirken solche Orte manchmal wenig authentisch oder typisch japanisch – es sind quasi gebrandete Stadtbilder.
Dieses Gefühl, dass Japaner Ausländern eine bestimmte Vorstellung von Japan aufdrängen, finde ich sehr befremdlich.
Für mich liegt der Reiz Japans eher in den Naturlandschaften oder in den chaotischen Straßenszenen von Kabukicho, mit den vielen Strommasten. Übrigens gibt es Strommasten in Japan schon seit der Taisho-Zeit. Auch in Hideaki Annos berühmtem Werk „Evangelion“ werden sie prominent dargestellt – vielleicht ist das typisch japanisch. Allerdings gibt es derzeit Bestrebungen, alle Strommasten in Tokio unterirdisch zu verlegen.
Was ich also nicht cool finde: „Dass Tokio alle Strommasten vergraben will“ (lacht).
Von den Marken her mag ich adidas. Außerdem kaufe ich durch den Einfluss von Freunden auch Secondhand-Kleidung.
Und ich vertrete die These, dass Uniqlo unschlagbar ist (lacht). Ich mag das Unternehmensleitbild von Uniqlo, „LifeWear“. Ich habe auf dem YouTube-Kanal von MB das Video „Der Uniqlo-Hoodie ist unglaublich“ gesehen. Wenn man einen gewaschenen Hoodie aufhängt, trocknet die Kapuze oft schlecht. Aber bei Uniqlo ist die Innenseite der Kapuze aus Polyester statt Baumwolle, damit sie nicht feucht bleibt – das ist „LifeWear“. Als ich das hörte, wollte ich diesen Hoodie unbedingt kaufen (lacht).
Auch bei wenig Licht setze ich immer auf Zeitautomatik. Zur Not erhöhe ich auch die ISO-Empfindlichkeit. Ich mag zwar kein Bildrauschen, aber solange das Bild nicht verwackelt, kann ich es im Notfall mit Photoshop korrigieren.
Die Blende stelle ich möglichst offen ein, um ein schönes Bokeh zu erzielen, aber die Priorität liegt immer auf der Verschlusszeit.

Image by Itsuki Mori
Itsuki Mori
Itsuki Mori, geboren 2001 in Shizuoka. Studiert Informationsdesign an der Kyoto University of the Arts. Arbeitet interdisziplinär mit neuesten Technologien wie Drohnen und Scanverfahren und schafft Werke, die von Fotografie und Film bis hin zu Software reichen.
cizucu: Itsuki Mori
Instagram: mooorimori

37 Magazine
Eine Interviewreihe mit Fotograf:innen und Fotomedien aus aller Welt, die jeweils ihre eigene Form des visuellen Ausdrucks verfolgen. Anhand von zehn Fragen beleuchten wir ihre erste Begegnung mit der Fotografie, die Ursprünge ihres kreativen Schaffens und die Gedanken hinter ihren Werken und vermitteln Kreativen weltweit neue Perspektiven und Inspiration.