Viele kennen das Gefühl: Man möchte ein Porträt aufnehmen, doch sobald die Kamera bereit ist, weiß man nicht, wie man das Motiv inszenieren soll.
Auch ich war zu Beginn oft unsicher, wie ich den Hintergrund auswähle oder dem Modell Anweisungen gebe. Nach drei Jahren Praxis wurde mir jedoch klar: Das Problem liegt meist nicht am fehlenden Gespür, sondern daran, dass kein fotografisches Konzept (Thema) vorliegt.
Im Folgenden erläutere ich eine konkrete Herangehensweise, mit der insbesondere Einsteiger:innen sofort mehr Klarheit und Sicherheit beim Porträtieren gewinnen können.
Gibt das Motiv eine „Antwort“ vor?
Porträtfotografie erscheint oft schwieriger als andere Genres, weil das Motiv selten eine klare fotografische „Antwort“ vorgibt.
Architektur etwa folgt dem bewussten Entwurf der Architekt:innen, und Landschaften bieten mit ihren „fotogenen Spots“ eine offensichtliche Schönheit. Bei professionellen Models oder Prominenten ist die starke Präsenz oder Ausstrahlung oft schon ein Thema für sich, sodass die fotografischen Schwerpunkte leichter zu erkennen sind.
Foto von HANA-STUDIO
Doch solche Persönlichkeiten sind auch in der Kunstszene selten. Die meisten Porträtmotive – ob Newcomer, Freund:innen oder Familienmitglieder – leben nicht mit einem fotografischen Konzept im Hinterkopf.
Die Herausforderung für Fotograf:innen besteht darin, dass sie das Thema selbst entwickeln müssen, weil das Motiv keine klare Vorgabe liefert.
Erstellen Sie Ihr Konzept zunächst durch „Nachahmung“
Wenn Sie unsicher sind, welches Thema Sie wählen sollen, beginnen Sie damit, bestehende Werke nachzustellen.
Setzen Sie sich zum Beispiel das Ziel, „das Licht wie in jener Filmszene“ einzufangen oder „die Pose eines Lieblings-CD-Covers“ nachzuahmen. Dadurch ergeben sich automatisch Antworten auf Fragen zu Location, Lichtführung, Outfit und Posing.
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Gerade wenn Sie Menschen ohne ausgeprägtes visuelles Konzept porträtieren, ist das „Leihen“ eines bestehenden Konzepts äußerst hilfreich. Im Hobbybereich muss nicht alles originell sein.
Mit einem geliehenen Konzept verschwinden viele Unsicherheiten am Set, sodass Sie sich ganz auf Technik und Bildgestaltung konzentrieren können.
Die Falle des Begriffs „Charme hervorheben“
Ein häufiger Anfängerfehler ist das Ziel, „den Charme der Person herauszuarbeiten“. Das klingt zwar erstrebenswert, ist aber selbst für Profis eine anspruchsvolle Aufgabe.
Um die Ausstrahlung eines Menschen einzufangen, muss man dessen Persönlichkeit, Eigenheiten und Schokoladenseite (die Schokoladenseite des Gesichts) kennen. Das erfordert Zeit und Kommunikation – und ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, das sich nicht auf Anhieb einstellt.
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Gerade bei Menschen ohne Porträterfahrung ist es schwierig, deren Wesen sofort zu erfassen. Statt abstrakter Ziele wie „Charme hervorheben“ empfiehlt es sich, konkrete, sichtbare Aspekte als Thema zu wählen – etwa „das Blau dieses Outfits schön herausarbeiten“ oder „diesen Schatten effektvoll inszenieren“. So gelingen überzeugende Aufnahmen und Ergebnisse.
Vor dem Fotografieren: Bewusst gestalten
Fotografie ist das Festhalten eines Moments, doch das hier beschriebene Porträtieren ist zugleich ein Akt der Gestaltung.
Es ist legitim, auf den perfekten Moment zu warten, doch ebenso wichtig ist es, sich als Fotograf:in ein Ziel zu setzen: „Heute möchte ich dieses Bild umsetzen.“ Das erweitert die Ausdrucksmöglichkeiten und führt zu überzeugenderen Ergebnissen.
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Überlegen Sie vor dem Auslösen, warum Sie diesen Ort und diese Perspektive wählen. Wenn Sie Ihre Gründe formulieren können, läuft das Shooting deutlich entspannter.
Gerade beim Fotografieren von Menschen aus dem eigenen Umfeld hilft das Konzept, Unsicherheiten abzubauen und Porträtfotografie als kreative Tätigkeit zu erleben.








