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By cizucu ·

©︎ David van Dartel
In dieser Interviewreihe sprechen wir mit Fotograf:innen und Fotomedien aus aller Welt, die ihren eigenen fotografischen Ausdruck verfolgen, über ihre Anfänge, ihre Gedanken und ihren kreativen Prozess. So entstehen neue Perspektiven und Anregungen für Kreative auf der ganzen Welt.
David van Dartel wuchs in einem kleinen Dorf in den Niederlanden auf. Beim Erkunden der Natur entdeckte er seine Liebe zur Fotografie. Anfangs fotografierte er seine Freunde draußen und hielt dabei Freundschaft und Nähe zwischen Männern fest. Inzwischen interessiert er sich auch stärker für dokumentarische Fotografie und begleitet reale Gemeinschaften. Mit seinen Bildern entwirft er eine Welt, in der Menschen sie selbst sein können, ohne sich von starren Vorstellungen von Männlichkeit einengen zu lassen.
In diesen zehn Fragen erzählt er, wie seine Bildwelt entsteht.
©︎ David van Dartel
David van Dartel
Fotograf und Künstler aus den Niederlanden. Mit 13 Jahren begann er, sich ernsthaft mit Fotografie zu beschäftigen. Nach seinem Masterabschluss in Journalismus wurde er mit 24 von der Elliott Gallery in Amsterdam angesprochen und zeigte daraufhin seine erste Ausstellung. Damit begann seine professionelle Laufbahn als Fotograf. Auf seine erste Serie, für die er rund zehn Jahre lang Freunde fotografierte, folgte What Once Was, eine Arbeit mit Models.
Instagram: @davidvandartel
Ich bin in einem kleinen Dorf auf dem Land aufgewachsen und war ständig auf den Feldern und in den Wäldern unterwegs. So ist meine Liebe zu Porträts und Landschaftsfotografie ganz natürlich entstanden.
Ich glaube, meine Bilder haben eine eigene Atmosphäre. Ich versuche, eine Welt zu erschaffen, in der ich selbst gerne leben würde. Dafür möchte ich die Kraft der Nähe zwischen Menschen in emotionalen Fotos sichtbar machen.
©︎ David van Dartel
Mich interessieren vor allem Beziehungen zwischen Männern und die Frage, wie sie von der Gesellschaft geprägt werden. Seit dem vergangenen Jahr zieht es mich etwas stärker zur dokumentarischen Fotografie. Wenn ich reale Gemeinschaften begleite, denke ich viel darüber nach, wie ich ihnen begegnen sollte.
Ein Thema, das immer wieder auftaucht, sind menschliche Beziehungen, besonders Freundschaften zwischen Männern. Als ich anfing, meine Freunde zu fotografieren, wollte ich nicht bewusst ein bestimmtes Thema untersuchen. Durch die Arbeit habe ich mich dann aber immer stärker mit den gesellschaftlichen Normen rund um Freundschaften zwischen Männern auseinandergesetzt.
©︎ David van Dartel
Die Männer auf meinen Fotos zeigen Zärtlichkeit und Verletzlichkeit, ihre Körper berühren und verschränken sich. Freundschaft und Liebe scheinen dabei ganz selbstverständlich ineinander überzugehen.
Historisch wurde Freundschaft in der Kunst meist anhand von Männern dargestellt und oft über Mut, Heldentaten und Stärke definiert. Für mich gehören aber auch emotionale Nähe, Vertrauen und der Mut, sich verletzlich zu zeigen, zur Männlichkeit. Genau diese Dinge prägen die Freundschaften in meinem eigenen Leben.
Ich wollte diese Arbeit machen, weil ich mich und meine Freunde in den Bildern von Männlichkeit und Männerfreundschaft aus der Popkultur nicht wiedererkannt habe.
Meine Arbeit entsteht aus einer Mischung: Auf der einen Seite stehen inszenierte, sehr genau durchdachte Bilder, auf der anderen eine große Freiheit beim Fotografieren. Der Ort ist enorm wichtig. Ich muss die Landschaft visuell spannend finden.
Ich recherchiere viel, mit Google Maps, auf dem Fahrrad oder zu Fuß. Manchmal lege ich den Bildausschnitt schon vorher in Street View fest.
©︎ David van Dartel
Sobald das Shooting mit meinen Freunden oder Models beginnt, können sie sich innerhalb des Rahmens, den ich mir vorgestellt habe, frei bewegen. Vor Ort ergeben sich viele Bewegungen und Situationen ganz von selbst. Ich fotografiere immer mit natürlichem Licht, deshalb verändert sich die Landschaft ständig.
Ich bereite mich gerne gründlich vor, aber im entscheidenden Moment verlasse ich mich doch auf meine Intuition.
Mich treibt der Wunsch an, etwas für mich selbst zu schaffen. Inspiration kann aus Musik, der Natur oder einer Ausstellung kommen, die ich besucht habe. Meine Arbeit soll eine „Welt“ zeigen, in der ich selbst gerne wäre.
Als ich vor sieben Jahren begann, meine Bilder auszustellen und Fotobücher zu veröffentlichen, war ich überrascht, wie unterschiedlich Besucher:innen und Kund:innen sie verstanden. Ich finde es schön, wenn sich die Arbeit von mir löst und meine eigenen Gedanken bei ihrer Entstehung nicht mehr so wichtig sind.
©︎ David van Dartel
Diese Reaktionen haben mich darin bestärkt, weiter zu Themen wie Männlichkeit und Freundschaft zu arbeiten. Ich glaube, dass wir noch viel tun können, um gesunde Formen von Männlichkeit sichtbar zu machen. Kulturelle Erwartungen und Klischees schränken unsere Freiheit ein, uns auszudrücken und unser Leben voll auszuleben.
Das ist eines meiner Lieblingsfotos, weil es nur durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten entstehen konnte. Wenn ich meine Freunde fotografiere, sind sie nicht einfach nur Models. Sie sind auch Assistenten und Regisseure und vor allem diejenigen, die mich motivieren und mir Mut machen.
©︎ David van Dartel
Das Foto entstand auf dem Heimweg, nachdem wir ein Shooting bei Sonnenuntergang in den Dünen beendet hatten. Im Auto fing es an zu regnen, und ich war richtig hungrig. Durch den Regen hatten Meer und Himmel aber dieses wunderschöne Blau angenommen.
Meine Freunde drängten mich, noch einmal auszusteigen und zu fotografieren. Einer richtete vom Auto aus das Licht aus, mein Freund Sil stand im Meer und fror fast, und ein anderer wartete mit einem großen Mantel für ihn.
Ich glaube nicht, dass KI wirklich Neues schaffen kann. Sie kann nur vorhandene Ideen immer wieder neu zusammensetzen. Vielleicht haben soziale Medien aber sogar einen größeren Einfluss auf die Fotografie.
Mich persönlich ermüden viele Arbeiten, die ich dort heute sehe. Es gibt einfach zu viele ähnliche Stile.
©︎ David van Dartel
Das Problem ist, dass Algorithmen nicht dafür gemacht sind, neue, experimentelle Ideen zu fördern. Solche Arbeiten gelten schnell als nicht attraktiv genug für ein großes Publikum. Als Ort, an dem man seine Arbeit zeigt, fühlen sich soziale Medien deshalb sehr eingeschränkt an.
Die Niederlande haben eine reiche Fotogeschichte. Ich bin mit den Arbeiten von Viviane Sassen, Anton Corbijn und Erwin Olaf aufgewachsen.
Außerdem gibt es mehrere renommierte Fotomuseen, von denen viele inzwischen seit etwa 20 Jahren bestehen.
Fotografie wurde historisch vor allem als Medium für Journalismus, Werbung und Dokumentation betrachtet. Ich glaube, diese Museen haben entscheidend dazu beigetragen, unser Verständnis von Fotografie zu prägen und sie als eigenständige, ernst zu nehmende Kunstform zu etablieren.
Es gibt weltweit unglaublich viele Fotograf:innen, die großartige Arbeiten machen. Als ich mit dem Fotografieren begann, haben mich besonders die frühen Bilder von Ryan McGinley inspiriert.
Zu meinen liebsten Fotobüchern, die ich in letzter Zeit in meine Sammlung aufgenommen habe, gehören Mouvement von René Burri, My Last Days at Seventeen von Doug Dubois und King, Queen, Knave von Gregory Halpern.
©︎ David van Dartel
Ich möchte von Menschen und Orten umgeben sein, die mich so annehmen und lieben, wie ich bin. Ich glaube, genau das macht mich frei.
Ich würde mir wünschen, dass wir etwas mehr Abstand vom Leben im Netz nehmen und nicht ständig alles teilen. Manchmal fühlt es sich an, als würden wir in einem digitalen Panoptikum leben, in einem Raum, in dem wir uns permanent beobachtet fühlen. Andere Menschen haben kaum noch etwas Geheimnisvolles. Ich glaube, dadurch verlieren wir auch Gelegenheiten, uns mit unterschiedlichen Formen von Kunst zu beschäftigen.
Heute soll jeder Bereich des Lebens kontrollierbar, effizient, positiv und konsumierbar sein. Unbegrenzte Möglichkeiten, neoliberales Denken und eine auf Leistung ausgerichtete Gesellschaft lassen kaum Platz, um lange über etwas nachzudenken oder einfach einmal nichts zu tun. Wirtschaftlich betrachtet gilt das schließlich als Zeitverschwendung.
Ich hoffe, dass Menschen mehr innere Ruhe finden, wenn sie akzeptieren, dass sie nicht alles machen können. Und dass sie nicht unruhig werden müssen, nur weil etwas wirtschaftlich nicht „effizient“ ist.
48 Magazine
Eine Interviewreihe mit Fotograf:innen und Fotomedien aus aller Welt, die jeweils ihre eigene Form des visuellen Ausdrucks verfolgen. Anhand von zehn Fragen beleuchten wir ihre erste Begegnung mit der Fotografie, die Ursprünge ihres kreativen Schaffens und die Gedanken hinter ihren Werken und vermitteln Kreativen weltweit neue Perspektiven und Inspiration.








