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By cizucu ·

Mitglieder der cizucu-Redaktion hatten Gelegenheit, das Jakarta International Photo Festival (JIPFest) zu besuchen, und waren dafür in Indonesien. Darüber haben wir bereits in einem früheren Magazinbeitrag berichtet.
Während unseres Aufenthalts wollten wir noch etwas genauer sehen, wie Bilder in Indonesien entstehen und ihren Weg in die Städte finden. Also fuhren wir weiter nach Bandung in Westjava. Auf der Braga Street im Zentrum reiht sich entlang der Straße ein Gemälde ans nächste: Berge, Felder und Blumen.
Woher kommen all diese Bilder? Die Spur führte uns nach Jelekong, einem Dorf außerhalb der Stadt. Hier gibt es zahlreiche Malerinnen, Maler und Werkstätten. Das Malen ist fest im Alltag verankert und für viele ein Beruf.

In einer Ausstellung über Jelekong stießen wir auf den Begriff „Pinterest-an“. Er verbindet Pinterest mit der umgangssprachlichen indonesischen Endung „-an“ und bedeutet in etwa „Pinterest-mäßig“ oder „im Pinterest-Stil“.
Beim Rundgang durch die Werkstätten kam uns allerdings der Gedanke, dass „Pinterest-an“ mehr bezeichnet als nur einen Malstil. Vielleicht umfasst der Begriff auch den ganzen Prozess, in dem Bilder durch viele Hände gehen und eine neue Form annehmen.
Allgegenwärtige, allgemeine Motive werden hier zum Material für Malerei. Diese Verwandlung hat etwas seltsam Reales, das sich mit Worten allein kaum greifen lässt.
In Jelekong werden die einzelnen Arbeitsschritte von der Herstellung bis zur Fertigstellung schon lange innerhalb des Dorfs aufgeteilt, um Gemälde für den Markt zu produzieren. Dieses System trägt die Wirtschaft und den Alltag im Dorf. Als der Verkauf vor Ort während der Pandemie schwieriger wurde, stellte man sich offenbar zunehmend auf Onlinebestellungen ein. Uns wurde erzählt, dass kleinere Aufträge inzwischen in etwa drei Tagen fertiggestellt und verschickt werden können.
Die Kundinnen und Kunden öffnen Pinterest und wählen aus unzähligen Bildern eines aus, das ihrer Vorstellung entspricht. Sie schicken es an die Malerin oder den Maler und nennen ihre Wünsche zu Größe, Farbgebung und weiteren Details. Dann wird die Vorlage vom Bildschirm auf die Leinwand übertragen.

Pinterest dient hier als Katalog, in dem man nach dem gewünschten Motiv sucht und die Herstellung eines Gemäldes in Auftrag gibt. Ein gespeichertes Bild funktioniert dabei fast wie ein Bestellschein.
In Jelekong wird ein Gemälde nicht unbedingt von einer einzigen Person begonnen und vollendet. Manche stellen die Leinwand her, andere malen, rahmen oder verpacken das fertige Bild. Wieder andere kümmern sich um den Versand. Vom Eingang der Vorlage bis zur Auslieferung ist die Arbeit aufgeteilt, und jeder Schritt ist Teil des Erwerbslebens im Dorf.
Man könnte sagen, das ganze Dorf funktioniert wie ein von Menschenhand betriebener 3D-Drucker. Ein Bild vom Bildschirm geht durch viele Hände, wird mit Farbe auf Leinwand zu einem Gemälde und schließlich an einen anderen Ort geschickt.

Selbst wenn dieselbe Vorlage verwendet wird, fällt jedes Gemälde anders aus. Pinselstrich, Farbwahl, weggelassene Details: Die kleinen Unterschiede der jeweiligen Hand bleiben sichtbar. So entstehen auch in einem arbeitsteiligen System die für Handarbeit typischen Abweichungen.
Das fertige Gemälde wird gerahmt, verpackt und an die Person geschickt, die es bestellt hat. Was wenige Tage zuvor noch auf einem Smartphone zu sehen war, hat nun eine Größe und ein Gewicht, mit denen es an einer Wand hängen kann, und gelangt in ein weit entferntes Zimmer.
Als einer der Orte, an die Gemälde aus Jelekong geliefert werden, wurde uns die Braga Street im Zentrum von Bandung genannt. Entlang der Straße mit ihren alten Gebäuden stehen Bilder mit ähnlichen Motiven: Berge, Felder, Flüsse und Blumen. Zur seit Langem bestehenden Produktion und zum Vertrieb der Gemälde kommt Pinterest inzwischen offenbar als neuer Ausgangspunkt hinzu.

Ein Bild vom Bildschirm wird zu einem Gegenstand, der in einem Zimmer hängt. Möglich macht das eine Reihe analoger Arbeitsschritte, die alle von Hand erledigt werden. Zwischen digitalem Bild und materiellem Objekt stehen nicht nur Technik, sondern auch Arbeit und Zeit.
Das fertige Gemälde wird fotografiert und in Onlineshops oder sozialen Netzwerken veröffentlicht. Dort sieht es jemand anderes, gibt einen neuen Auftrag auf, und das Motiv wird auf eine weitere Leinwand gemalt.
Auf Pinterest suchen. Das Bild verschicken. Von Hand malen. Als Gemälde ausliefern. Das fertige Bild fotografieren und wieder ins Netz stellen. Ein Motiv bewegt sich zwischen digitaler und materieller Welt hin und her, verändert dabei nach und nach seine Gestalt und wird weiter verbreitet.

Wer dem Begriff „Pinterest-an“ folgt, stößt nicht nur auf bestimmte Farben und Formen, sondern auf ein ganzes System, in dem digitale Bilder zu Gemälden werden und in Umlauf kommen. Ein Bild wird im Netz ausgewählt, von Hand auf Leinwand gemalt und zu jemandem geschickt. Wo genau „Pinterest-an“ beginnt und endet, ist vielleicht noch gar nicht klar.
Was wir in Jelekong gesehen haben, war womöglich weniger der eine Moment, in dem ein Bild zum Gemälde wird. Es war vielmehr der laufende Prozess, in dem ein Motiv in anderer Gestalt in die Wirklichkeit zurückkehrt.