Einleitung
Das von cizucu weltweit realisierte Photo Poster Project (ppp) ist ein geschützter Ort, an dem Menschen ihre eigenen Geschichten teilen können, und zugleich eine Community, die Kreative aus aller Welt im realen Leben miteinander verbindet.
Für „Warum ich ppp liebe“ sprechen wir mit Kreativen, die ppp schätzen, und entdecken dabei Facetten des Projekts, die selbst uns in der cizucu-Redaktion bislang verborgen geblieben sind. Diesmal stellen wir masashi7069 (Masashi) vor, der in Thailand und Japan „grenzüberschreitend“ teilgenommen hat.

masashi7069
Von Thailand aus fotografiert er auf seinen Reisen Tempel, die Atmosphäre der Straßen und die Ausdrucksformen der Menschen. Am Photo Poster Project (ppp) nahm er sowohl in Thailand als auch in Japan teil. Indem er Begegnungen und Austausch über Grenzen hinweg erweitert, erkundet er neue Möglichkeiten des visuellen Ausdrucks.
Instagram: masashi7069
Erzählen Sie uns zunächst, wie es dazu kam, dass Sie in Thailand leben!
Ich bin bei einem japanischen spezialisierten Handelsunternehmen angestellt. Lange Zeit betreute ich in Tokio inländische Kundschaft. Freunde, die im Ausland arbeiteten, inspirierten mich jedoch, und allmählich dachte ich: „Ich möchte selbst mehr von der Welt sehen.“
Das gab den Anstoß für meinen Wechsel in eine Abteilung, die für den internationalen Handel zuständig ist.
Seit 2018 bin ich zu einer thailändischen Tochtergesellschaft entsandt und reise von Thailand aus zunehmend geschäftlich in die umliegenden Länder. Auch privat reise ich gern, sowohl innerhalb Thailands als auch ins Ausland. Da ich derzeit allein hier lebe, gehe ich an freien Tagen häufig allein auf einen Fotowalk, sobald sich spontan etwas Zeit ergibt.
Welche Motive oder Augenblicke möchten Sie während Ihres Lebens in Thailand mit der Kamera festhalten?
In Thailand und den Nachbarländern gibt es sehr viele Tempel. Mich interessieren jedoch weniger die Gebäude selbst als vielmehr die Gesichtsausdrücke der betenden Menschen und die besondere Atmosphäre dieser Orte.

Foto: masashi7069
Wenn ich mit Freunden auf einen Fotowalk gehe, finde ich es faszinierend, dass wir trotz desselben Weges aus völlig unterschiedlichen Perspektiven fotografieren. Dann entdecke ich: „Ach, so kann man das also ins Bild setzen!“
Seit ungefähr zwei Jahren begeistert mich außerdem die Fotografie der Milchstraße. Derzeit suche ich nach geeigneten Aufnahmeorten, sowohl in Thailand als auch in den Nachbarländern.
Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Smartphone-Fotografie in Thailand ausgesprochen stark verbreitet ist. Beim Spaziergang durch die Stadt sehe ich sehr häufig Frauen, die sich von ihren Partnern fotografieren lassen.
Sie wiederholen die Aufnahme so oft, bis sie zufrieden sind. Vermutlich sammeln dadurch sowohl die fotografierende als auch die fotografierte Person ganz selbstverständlich immer mehr Erfahrung. Selbst mit meinem Laienblick denke ich oft beeindruckt: „Das sitzt wirklich perfekt.“

Foto: masashi7069
Bei der Street Photography habe ich den Eindruck, dass viele Menschen recht offen reagieren und sinngemäß sagen: „Du kannst ruhig fotografieren“, selbst wenn man die Kamera auf sie richtet. Manche zeigen sogar das Peace-Zeichen.
Da ich erst in Thailand mit dem Fotografieren begonnen habe, kann ich keinen ganz präzisen Vergleich ziehen. Doch in Japan oder Europa scheint das Verhältnis zu Nähe und Distanz anders zu sein. Einige Freunde kehren gerade wegen der thailändischen „Ungezwungenheit“ immer wieder zum Fotografieren hierher zurück.
Nachdem Sie in Thailand und Japan an ppp teilgenommen haben: Gab es Unterschiede in der Atmosphäre der Ausstellungsräume oder im Austausch?
Zunächst einmal war die herzliche Atmosphäre sowohl in Thailand als auch in Japan dieselbe. Besonders hinsichtlich des gemeinschaftlichen Austauschs empfand ich beide Veranstaltungen als sehr ähnlich. Man betrachtet ein ausgestelltes Werk, fragt: „Könnten Sie mir etwas darüber erzählen?“, und daraus entwickelt sich ganz natürlich ein Gespräch. Sowohl in Japan als auch in Thailand dient die Fotografie als Ausgangspunkt für Kommunikation.

Der deutlichste Unterschied war hingegen die Sprache. Beim japanischen ppp wurde fast ausschließlich Japanisch gesprochen, und etwa 80 bis 90 Prozent der Teilnehmenden waren Japanerinnen und Japaner. Beim thailändischen ppp waren zwar viele Teilnehmende thailändisch, doch die Verständigung war auf Englisch möglich, und der Anteil internationaler Gäste – mich eingeschlossen – war wesentlich höher.
Mein Thailändisch reicht problemlos für Alltagsgespräche, aber nicht, um feinere Nuancen präzise zu vermitteln. Da ich beim Gallery Talk auch noch als Erster an der Reihe war, fragte ich mich: „In welcher Sprache soll ich sprechen?“
Auf Japanisch hätte ich über die Verdolmetschung des Teams sprechen müssen. Auf Englisch könnte ich meine Gedanken vielleicht etwas unmittelbarer vermitteln. Und falls jemand Schwierigkeiten mit Englisch hätte, würde das Team vermutlich dolmetschen – in dieser Erwartung entschied ich mich für Englisch.
Daraufhin hielten auch fast alle nachfolgenden thailändischen Teilnehmenden ihre Gallery Talks auf Englisch. Als ich merkte, dass Englisch völlig in Ordnung war, konnte ich mich wie in Japan mit allen austauschen. Ich erhielt Fragen zu meinem Werk und vernetzte mich später mit einigen über soziale Medien. Es hat wirklich großen Spaß gemacht.

Foto: masashi7069
Was die Ausrichtung der Werke betrifft, hatte ich den Eindruck, dass in Japan viele Arbeiten Motive aus dem unmittelbaren Alltag zeigten, während in Thailand zahlreiche Werke auf Reisen entstanden waren. Arbeiten von Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zu sehen, war für mich äußerst inspirierend.
Die Grundhaltung von ppp – „gegenseitiger Respekt“ und das gemeinsame Bekenntnis zur Idee des Projekts – ist meines Erachtens über Ländergrenzen hinweg dieselbe.

Foto: masashi7069
Dass unabhängig vom Land dasselbe Gefühl von Geborgenheit entsteht, ist für die Teilnehmenden sehr ermutigend. Worin zeigt sich für Sie die Niedrigschwelligkeit von ppp?
Am stärksten empfinde ich diese Niedrigschwelligkeit darin, dass man auch den Druck vollständig abgeben kann.
Wer schon einmal eine Ausstellung organisiert hat, weiß: Sobald man beim Druck besonderen Wert auf jedes Detail legt, reichen die Entscheidungen von der Wahl des Dienstleisters bis zur Papiersorte – und nehmen praktisch kein Ende. Weil ich diesen gesamten Bereich abgeben kann, muss ich mich in der Vorbereitungsphase nicht unter Druck setzen und kann meine Aufmerksamkeit auf das richten, was ich mir von ppp wünsche: Gelegenheiten zum Austausch.
Gerade diese Unkompliziertheit senkt die Schwelle zur Teilnahme erheblich.

Ein weiterer Punkt ist, dass weder anhand der Ausrüstung noch des Erfahrungsstands Grenzen gezogen werden – und zwar im besten Sinne. Selbst bei einem Werk, das nicht mit einer professionellen Kamera, sondern mit dem iPhone aufgenommen wurde, entsteht ganz selbstverständlich die Frage: „Wie haben Sie das fotografiert?“ Die Fotografie selbst wird unmittelbar zum Ausgangspunkt der Kommunikation. Es herrscht eine Atmosphäre, in der man denkt: „Hier kann auch ich dazugehören.“ Genau darin liegt für mich die für ppp typische Zugänglichkeit.
Vielleicht macht genau diese Atmosphäre ppp aus. Gibt es eine Begegnung, ein Erlebnis oder Worte aus dem Umfeld von ppp, die Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben sind?
Beim ppp in Thailand sprach ich mit einem teilnehmenden Geologen. Dort war eine Fotografie eines ungefähr 300 Meter hohen Sandbergs in der Wüste ausgestellt.
Zunächst hatte ich wirklich keinerlei Vorstellung davon, wo und wie diese Aufnahme entstanden sein könnte. Ehe ich mich versah, fühlte ich mich geradezu angezogen und ging zu ihm, um nachzufragen.

Foto: TONTOXI
Daraufhin erklärte er mir mit erstaunlicher Sorgfalt, dass er anhand des Sonnenstands Norden und Süden bestimmt und sogar seinen Standort exakt auf die beabsichtigte Komposition abstimmt.
Hinter dem einzelnen Bild, das ich zunächst nur als Werk betrachtet hatte, eröffnete sich plötzlich eine überwältigende „Welt“, in der ich beinahe den Wüstenwind spüren konnte. Obwohl ich lediglich einer Fotografie begegnet war, hatte ich das Gefühl, dass sich meine eigene Welt mit einem Mal erweitert hatte.

Im selben Ausstellungsraum begegnet man Menschen, die tatsächlich Wüsten oder die Antarktis bereisen – und ihre Erfahrungen liegen in Form von Fotografien unmittelbar vor einem. Mir wurde erneut bewusst, dass ppp nicht nur ein Ort ist, an dem man Fotografien betrachtet, sondern auch einer, an dem man Menschen begegnet, deren Wege sich im Alltag vermutlich niemals mit dem eigenen kreuzen würden.
Seit diesem Gespräch brennt tief in mir weiterhin die Reiselust und der Wunsch: „Ich möchte noch ganz andere Orte kennenlernen.“
Zeigen Sie uns bitte Ihre Lieblingsaufnahme! Wir würden auch gern erfahren, weshalb Sie dieses Bild ausgewählt haben und welche Geschichte sich damit verbindet.
Als ich mit der Fotografie begann, nahm ich an Fotowalks teil, die von Naoya Akashi organisiert wurden, der in Thailand tätig ist. Bei einem Rundgang durch Bangkoks Chinatown zeigte er uns die große Flamme, die beim Anbraten von Wasserspinat aufsteigt. Seitdem dachte ich immer wieder: „Eines Tages möchte ich diese Flamme richtig fotografieren.“
Als ich schließlich eigens dafür losziehen wollte, hörte ich jedoch, dass der Straßenstand mit der großen Flamme inzwischen verschwunden sei. Mein derzeit liebstes Motiv ist zwar der Sternenhimmel, doch auch diese Flamme ließ mich insgeheim nie ganz los.
Als ich die Sache beinahe vergessen hatte und eines Abends auf dem Nachtmarkt von Siem Reap in Kambodscha – der Stadt bei Angkor Wat – fotografierte, begegnete mir plötzlich wieder eine ganz ähnliche Flamme. Der Koch gab mir ein Zeichen im Sinne von „Jetzt geht es los“, und genau in diesem Augenblick gelang mir diese Aufnahme.

Foto: Masashi
Was wünschen Sie sich für die Zukunft von ppp?
Als ich zum ersten Mal in Japan an ppp teilnahm, sagte Rin aus dem cizucu-Team: „Wir werden das auch im Ausland veranstalten!“ Ehrlich gesagt war damals noch nicht abzusehen, ob das tatsächlich Wirklichkeit werden würde. Trotzdem dachte ich vage: „Es wäre schön, wenn es auch in Bangkok in Thailand stattfinden würde, wo ich lebe.“
Dass es dann tatsächlich umgesetzt wurde und sich die Aktivitäten inzwischen von Asien nach Europa ausweiten, finde ich schlichtweg beeindruckend. Die Haltung, „die Fotografien der anderen zu respektieren“, schafft eine ausgesprochen angenehme und schöne Atmosphäre. Als Nächstes wünsche ich mir, dass ppp auch den amerikanischen Kontinent erreicht und einmal die ganze Welt umrundet.
Ich kann mir noch nicht vorstellen, welche Form das annehmen könnte. Aber eine Veranstaltung, bei der eines Tages ppp-Teilnehmende aus aller Welt zusammenkommen und sich austauschen, wäre meiner Meinung nach unglaublich spannend.

Zum Abschluss: Welche Botschaft möchten Sie Menschen mitgeben, die noch überlegen, ob sie an ppp teilnehmen sollen?
An ppp nehmen zwar auch sehr erfahrene Fotografinnen und Fotografen sowie Profis teil, doch ebenso viele Menschen sind zum ersten Mal dabei oder haben gerade erst mit der Fotografie begonnen. Als Anfängerin oder Anfänger muss man sich daher wirklich überhaupt nicht unter Druck setzen.
Ehrlich gesagt war auch ich anfangs etwas unsicher und fragte mich: „Werde ich hier wirklich Anschluss finden?“
Doch alle kommen zusammen, weil sie dieselbe Haltung teilen: „Wir respektieren die Fotografien der anderen.“ Deshalb entstehen Gespräche ganz von selbst.

Als ich einem Bekannten in Thailand ppp erklärte, bezeichnete ich es auf Englisch einmal als „Photograph Lovers Gethering Party“. Vom Gefühl her passt „Party“ eher als „Exhibition“. Mit anderen Worten: Es ist ein ebenso ungezwungener wie herzlicher Ort.
Im Ausstellungsraum hängen sowohl Werke, die mit Kameras entstanden sind, als auch Smartphone-Arbeiten; auch die Genres sind äußerst vielfältig. In sozialen Medien führt der Einfluss der Algorithmen häufig dazu, dass man fast nur noch Inhalte sieht, die ohnehin dem eigenen Geschmack entsprechen. Bei ppp dagegen kann man unerwarteten Fotografien und Sichtweisen begegnen – so, als würde man in einer Buchhandlung spontan durch ein Regal stöbern, das mit dem ursprünglichen Interesse gar nichts zu tun hat.
Wenn ppp auch nur ein wenig Ihre Neugier geweckt hat, wünsche ich mir, dass Sie zunächst ganz unverbindlich vorbeikommen und die Atmosphäre im Ausstellungsraum erleben.
Nachwort der Redaktion
Masashi gehört zu den Kreativen, die cizucu bereits als Nutzer begleitet haben, lange bevor ppp ins Leben gerufen wurde. Ihn diesmal persönlich zu treffen und seine Gedanken zu ppp sowie seine Hoffnungen für die Zukunft zu hören, war auch für unsere Redaktion eine eindrucksvolle Erfahrung.
Besonders deutlich wurde in diesem Gespräch, dass ppp zugleich ein „Ort für die Präsentation von Werken“ und ein „Ort der Begegnung“ ist. Selbst wenn Länder und Sprachen verschieden sind, beginnt durch die Fotografie ein Gespräch, und ehe man sich versieht, ist die Distanz kleiner geworden. Dass sich diese menschliche Wärme in Japan und Thailand gleichermaßen findet, hat bei uns eine stille Freude hinterlassen. Zugleich ermöglicht ppp zufällige Begegnungen mit Welten, Werken und Kreativen, zu denen kein Algorithmus geführt hätte. Genau darin liegen unseres Erachtens der besondere Reiz von ppp und der Grund, weshalb das Projekt so anhaltend geschätzt wird.
Durch Masashis Worte konnten wir erneut nachvollziehen, weshalb ppp so viele Menschen begeistert. Auch als Redaktion möchten wir die Gründe für diese Verbundenheit nach und nach in Worte fassen und die Faszination von ppp über Länder- und Kulturgrenzen hinweg noch weiter in die Welt tragen.
Seiya, cizucu-Redaktion
Zum Schluss
Wie hat Ihnen das Gespräch gefallen?
Das Photo Poster Project (ppp) ist kein Ort, der besonderen Menschen vorbehalten ist. Es ist auch kein Ort ausschließlich für diejenigen, denen eine technisch perfekte Aufnahme gelungen ist. Hier kommen Menschen zusammen, die ihrem Ausdruck kontinuierlich nachgehen, und alle, die die Fotografie aufrichtig lieben, sind von Herzen willkommen.
ppp startete Ende 2024 in Japan und wurde seither in mehr als 28 Städten in neun Ländern veranstaltet, darunter Südkorea, Singapur, das Vereinigte Königreich und Deutschland. Über Länder- und Sprachgrenzen hinweg begegnen und verbinden sich Menschen durch die Fotografie. Diese Community wächst bis heute Schritt für Schritt weiter.
Möchten auch Sie durch ppp neue Möglichkeiten für Ihr eigenes Werk entdecken?

