Fotografiebegeisterte Kreative erzählen von ihren Kameras und den Geschichten, die sie mit ihnen verbinden. In einer „Lieblingskamera“ spiegeln sich stets auch die persönliche Lebensauffassung und die individuellen Werte ihres Besitzers wider. In dieser Folge unserer Serie steht yNAK im Mittelpunkt, der die OLYMPUS PEN FT seit Langem verwendet.
Als die Filmpreise zu steigen begannen, griff er zu dieser Kamera – und mit der Zeit wurde sie für yNAK zu einer unverzichtbaren Begleiterin. Warum entscheidet er sich auch in einer vom Digitalen geprägten Zeit, in der sich Ergebnisse unmittelbar überprüfen lassen, ganz bewusst weiterhin für Film? Wir folgen der intensiven Erfahrung, sich gerade wegen der begrenzten Zahl an Aufnahmen jedem einzelnen Bild mit besonderer Sorgfalt zu widmen.
OLYMPUS PEN FT: Technische Grundinformationen
Die OLYMPUS PEN FT ist eine 1966 von Olympus eingeführte Halbformat-Spiegelreflexkamera für Film. Obwohl sie 35-mm-Film verwendet, belichtet sie jedes Bild nur auf der halben Fläche eines Kleinbildformats. Dadurch ermöglicht ein Film mit regulär 36 Aufnahmen etwa 72 Aufnahmen – eines ihrer charakteristischsten Merkmale.
Warum ich mich erneut für Film entschied
Als die Filmpreise zu steigen begannen, entwickelte ich Interesse an Halbformatkameras. So stieß ich auf die OLYMPUS PEN FT. Inzwischen ist sie zu einer treuen Begleiterin geworden.
Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der das Fotografieren mit Filmkameras selbstverständlich war. Als ich jedoch begann, mich ernsthaft für Fotografie zu interessieren, war meine erste Kamera eine Digitalkamera.

Foto von yNAK
Irgendwann bemerkte ich, dass sich auf meinem Computer riesige Mengen an Bilddaten angesammelt hatten. Meine Bibliothek war mit zahllosen Aufnahmen ein und derselben Szene gefüllt.
Da fragte ich mich plötzlich: „Welches Bild wollte ich eigentlich wirklich fotografieren?“
Die Annehmlichkeiten und die Leistungsfähigkeit digitaler Technik sind zweifellos beeindruckend. Obwohl ich das sehr schätze, hatte ich dennoch das Gefühl, dass diese Art des Fotografierens nicht ganz meiner persönlichen Beziehung zur Fotografie entsprach.

Foto von yNAK
Begrenzte Zeit macht Fotografie besonders
Die begrenzte freie Zeit zwischen meinen beruflichen Verpflichtungen, in der ich mit dem aufwendigen und kostspieligen Medium Film fotografiere, ist für mich zu etwas Besonderem geworden.

Foto von yNAK
Sowohl das Warten auf die Entwicklung als auch der Moment, in dem eine Aufnahme völlig unerwartet erscheint, gehören zu den besonderen Freuden der Filmfotografie. Diese Erfahrung, die sich nicht allein an Effizienz messen lässt, hat mich erneut daran erinnert, was das Fotografieren so faszinierend macht.
Deshalb liebe ich es nach wie vor, auf Film zu fotografieren.
Eine Welt, die nur die PEN FT sichtbar macht
Ich liebe die Welt, die ich durch den Sucher dieser Kamera sehe. Der hochformatige Sucher rahmt die Szenerie so, als würde ich ein einzelnes Plakat betrachten.
Eine unscheinbare Alltagsszene verwandelt sich in dem Moment, in dem ich sie durch den Sucher sehe, in etwas ein wenig Besonderes. Genau dieses Empfinden macht für mich den einzigartigen Reiz dieser Kamera aus.

Foto von yNAK
Auch ihr kompaktes Format ist reizvoll: Sobald ich etwas fotografieren möchte, kann ich sie unkompliziert mitnehmen.
Das angenehme Gefühl, Blende und Fokus mit einfachen Handgriffen einzustellen, und der Vorteil des Halbformats, mit nur einem Film doppelt so viele Aufnahmen machen zu können – all das passt vollkommen zu meiner Art zu fotografieren.

Foto von yNAK
Nicht nur die Szenerie wird festgehalten
Für mich bedeutet ein „gutes Foto“ nicht, dass etwas schön und gestochen scharf abgebildet ist.
Manchmal verwackelt die Kamera vor Aufregung, manchmal sitzt der Fokus nicht ganz präzise. Doch auch das war in diesem Augenblick ein Teil von mir.
So wie eine Landschaft verschwimmt, wenn einem Tränen in die Augen treten, darf auch ein Foto ein wenig unscharf sein. Ich habe das Gefühl, dass darin sogar die Emotionen jenes Moments sichtbar werden.

Foto von yNAK
In puncto Komfort und Präzision kann diese Kamera mit heutigen Modellen nicht mithalten. Trotzdem greife ich immer wieder zu ihr, weil ich das Gefühl habe, mich auf diese Weise jedem einzelnen Bild wirklich widmen zu können.
Gerade weil die Zahl der Aufnahmen begrenzt ist, fotografiere ich jedes Bild mit besonderer Sorgfalt.
Gerade weil die Zeit begrenzt ist, betrachte ich den gegenwärtigen Augenblick umso bewusster.
Vielleicht hält die Fotografie nicht nur die Szenerie fest, sondern auch mich selbst – den Menschen, der in diesem Moment innerlich bewegt wurde.

yNAK
Frei fühlen – analog/digital
cizucu: @ynak
WRITER
yNAK
自由に。感じるままに。

116 Magazine
Meine Kamera und ich
Eine Serie, in der Kreative von der Begegnung mit ihrer Lieblingskamera, gemeinsamen Erinnerungen und unvergesslichen Erlebnissen erzählen. Von den Gründen für ihre Wahl bis zu dem, was sie bis heute an dieser Kamera begeistert – Geschichten, in denen sich alle Fotografiebegeisterten wiederfinden können.


