Einleitung
„Found, After Years“ ist ein globaler Online-Fotowettbewerb, der von cizucu veranstaltet wird. Teilnehmen können alle bei cizucu registrierten Kreativen. Ziel ist es, herausragende Arbeiten aus den Einreichungen zu kuratieren, als Plattform neue Talente zu entdecken und Kreative als Community zu unterstützen.
Das diesjährige Thema lautete 〈Found, After Years〉.
Fotografien entfalten ihre Bedeutung mitunter weniger im Moment der Aufnahme als vielmehr bei einer späteren Betrachtung. Das Abgebildete bleibt zwar dasselbe, doch unser Zeitgefühl und unsere Wahrnehmung verändern sich. Vielleicht zeichnet sich eine gute Fotografie gerade dadurch aus, dass sich ihre Bedeutung mit jedem erneuten Blick wandelt.
Keine neu aufgenommene Fotografie, sondern eine Arbeit, die tief in einem Fotoordner verborgen lag, in einem Familienalbum oder einer alten Kamera bewahrt wurde und nach Jahren unvermittelt wiederentdeckt worden ist. Auch diesmal kamen Arbeiten zusammen, die solche fotografischen Erinnerungen erneut ins Licht rücken.
Im Folgenden stellen wir die Einreichungen und prämierten Arbeiten vor.
Einreichungen

Foto von Jim SUEHIRO
Jim SUEHIRO
Dies ist das Klassenzimmer einer ersten Grundschulklasse, das ich 2012 fotografiert habe. Ein Mädchen zeigt mit gelassenem Lächeln das Victory-Zeichen. Ein Moment der Begegnung durch die Kamera.
Mir wird bewusst, dass die Beurteilung einer Fotografie für jeden Menschen anders ausfällt und nicht allein von technischen Aspekten wie Belichtung und Komposition abhängt – geschweige denn nur von der Auflösung oder Leistungsfähigkeit der Kamera.
Es macht mich sehr glücklich, dass eine dokumentarische Aufnahme von einem Schulbesuchstag nach 14 Jahren gemeinsam mit den Erinnerungen gereift ist und nun als künstlerische Arbeit präsentiert werden kann.
cizucu-Redaktion
Vierzehn Jahre sind seitdem vergangen. Zu welchem Erwachsenen ist das Kind aus der ersten Klasse auf dieser Fotografie wohl herangewachsen? Eine dokumentarische Aufnahme von einem Schulbesuchstag gewinnt mit der Zeit Gestalt und Präsenz als eigenständiges Werk. Gerade eine solche Fotografie sollte man nicht im iPhone verborgen lassen, sondern ausdrucken und vielleicht als Lesezeichen in ein Buch legen.

Foto von Kohki Kanai
Kohki Kanai
cizucu-Redaktion
Bevorzugen Sie im Flugzeug den Gang- oder den Fensterplatz? Vermutlich würden sich viele für den Fensterplatz entscheiden. Der Blick aus dieser Höhe gehört vielleicht zu den eindrucksvollsten Erfahrungen einer Reise.
Kohki hat dieses Gefühl beim Blick aus dem Fenster mit einer Filmkamera samt Datumsstempel meisterhaft in eine ganz eigene Bildsprache überführt. Hinter den einbelichteten Ziffern wird die damalige Reise wohl noch heute leise weitergespielt.

Foto von lifeOfGai
lifeOfGai
Eine meiner ersten Lieblingsfotografien, als ich vor drei Jahren mit dem Fotografieren begann.
cizucu-Redaktion
Eine Arbeit, die man spontan als vollkommenes Beispiel für den reizvollen Stil des bewusst Unperfekten loben möchte.
Ist sich die abgebildete Person der Kamera bewusst oder nicht? Dieser uneindeutige Blick besitzt einen feinen Humor; besonders überzeugend ist die Natürlichkeit, mit der die für einen Schnappschuss charakteristische Szene eingefangen wurde. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen derzeit keine guten Aufnahmen gelingen, betrachten Sie eine solche ältere Fotografie erneut – und finden Sie zu jener Leichtigkeit zurück, die Ihnen unwillkürlich ein Lächeln entlockt.

Foto von 박효구
박효구
Film, 1993
cizucu-Redaktion
Handelt es sich um eine inszenierte Wiederaufführung oder tatsächlich um eine Aufnahme aus dem Jahr 1993? Ein Paar, dessen Gesichter verborgen bleiben, und eine Komposition von beinahe zeitgenössischer Raffinesse. Zugleich erzählen die Farbigkeit und Textur der Fotografie und vor allem die Form des Brautkleides still von ihrer Epoche.
Eine Arbeit, die die Vorstellungskraft entfaltet, noch bevor sich ihre Geschichte überprüfen lässt.

Foto von Yukihiro
Yukihiro
Die Sagrada Família, vor etwa 25 Jahren aufgenommen.
cizucu-Redaktion
Die Sagrada Família!
Wer mit dem Rucksack durch Europa reist, besucht sie beinahe selbstverständlich – doch der Zeitpunkt des Besuchs ist für jeden ein anderer. Auf den ersten Blick scheint sie stets dieselbe zu sein; tatsächlich zeigt jede Aufnahme die Sagrada Família in einem jeweils anderen Stadium ihrer Unvollendetheit.
[FACT CHECK REQUIRED] 最も高い「イエス・キリストの塔」は、設計者ガウディの没後100年となる2026年6月に完成しました。ただし、正面の「栄光のファサード」や細部の装飾を含む建物全体の完成は、2030年代半ば(2034〜2035年頃)と予測されています。
„Damals war die Sagrada Família noch nicht vollendet.“ Wer davon träumt, dies eines Tages den eigenen Enkelkindern zu erzählen, für den könnte gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Besuch sein.
Prämierte Arbeiten

Foto von wayfarer0915
wayfarer0915
Roter Mantel, weißer Schal, unter einem leuchtenden Baum im Tokio des Jahres 1987 – die Lichter verschwimmen wie vergessene Versprechen, die Nacht verschlingt den Augenblick ganz. Sie posiert nicht; sie wartet darauf, dass die Zeit sie einholt.
cizucu-Redaktion
Weihnachten, ein roter Mantel, Tokio im Jahr 1987. So sehr wir uns auch wünschen mögen, in jene Zeit zurückzukehren: Folgen können wir nur den Trugbildern unserer Erinnerung; wirklich zurückkehren werden wir nie. Gerade deshalb tritt heute still eine Schönheit hervor, die damals unbemerkt blieb.
Eine Arbeit, die unmittelbar und überzeugend auf das Thema 〈Found, After Years〉 antwortet.

Foto von ノスタルジックパトロール
ノスタルジックパトロール
Seit meiner Geburt hat meine große Schwester immer auf mich aufgepasst. Selbst nach mehr als 35 Jahren merke ich: Familie ist einfach etwas Schönes.
cizucu-Redaktion
Eine Fotografie, bei der unmittelbar spürbar wird, dass sie einem Familienalbum entnommen wurde. Das handschriftliche Wort „Shōwa“, die Spuren des Bleistifts.
In jedem einzelnen Detail bleibt die Gegenwart jener Person erhalten, die das Bild aufnahm, jener, die es archivierte, und jener, die es nach langer Zeit wiederentdeckte. So vermittelt die Arbeit das Gefühl, auf genau diesem Weg schließlich zu uns gelangt zu sein.
Zum Abschluss
Wie haben Ihnen die Arbeiten gefallen?
Für „Found, After Years“ wurden zahlreiche Werke eingereicht, deren stille Kraft und nostalgische Wirkung gerade daraus entstehen, dass sie erst nach langer Zeit wiederentdeckt wurden.
Eine Fotografie ist nicht im Augenblick ihrer Aufnahme abgeschlossen. Wenn wir sie Jahre später erneut betrachten, können wir Gefühlen begegnen, die uns damals nicht bewusst waren, und die Bedeutung des Bildes neu entdecken.
Wir hoffen, dass dieser Wettbewerb einen Anlass geschaffen hat, sich bewusst Zeit für eine solche erneute Betrachtung zu nehmen.
Legen Sie die Kamera gelegentlich beiseite und durchstreifen Sie Ihre Fotoordner noch einmal. Vielleicht wird gerade diese Pause zu einer wertvollen Erholung auf dem Weg zur nächsten Aufnahme.
Vielen Dank für die zahlreichen Einreichungen.


