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Ein Motiv wird nicht bewusst konstruiert, sondern entdeckt | Knowledge #512

By HANA-STUDIO ·

Ein Motiv wird nicht bewusst konstruiert, sondern entdeckt | Knowledge #512

Cover photo by HANA-STUDIO

„Beim Fotografieren sollte man sich des Motivs bewusst sein.“
Diesen Satz hört man häufig in Fotobüchern und Kursen.
Natürlich ist diese Denkweise nicht falsch. Dennoch empfand ich dabei lange Zeit ein gewisses Unbehagen.

Während meines Studiums fotografierte ich als Teil der Öffentlichkeitsarbeit einer Freiwilligenorganisation deren Aktivitäten. Damals war dieser Ansatz äußerst hilfreich. Als ich später berufstätig wurde und zunehmend in meiner Freizeit fotografierte, stellte ich jedoch fest, dass dieselbe Denkweise das Fotografieren auch beschwerlich machen konnte.

Rückblickend lag der Unterschied wohl im „Zweck der Fotografie“. Was ich wirklich brauchte, war nicht, mir des Motivs bewusst zu sein, sondern zu erkennen, worauf ich reagierte, wenn ich den Auslöser betätigte.

Für Fotografien, die etwas vermitteln sollen, war ein klares Motiv notwendig

Während meines Studiums dokumentierte ich als Teil der Öffentlichkeitsarbeit einer Freiwilligenorganisation deren Aktivitäten fotografisch.

Wenn ich die Atmosphäre einer Veranstaltung vermitteln wollte, fotografierte ich die Mimik der Teilnehmenden.
Wenn ich die ausgeführten Tätigkeiten zeigen wollte, richtete ich die Kamera auf Hände und Werkzeuge.

Die Fotografien verfolgten den Zweck, bestimmte Inhalte zu vermitteln. Das Motiv entsprechend diesem Zweck festzulegen, war daher ein ganz natürlicher Ansatz.
Bei solchen Dokumentar- und PR-Fotografien ist es wichtig, sich des Motivs bewusst zu sein. Damit die Betrachtenden die Informationen richtig erfassen können, sollte möglichst klar erkennbar sein, was eine Aufnahme zeigen möchte.

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Foto von HANA-STUDIO

Bei der Fotografie als Hobby passte dieser Ansatz nicht mehr

Nachdem ich ins Berufsleben eingestiegen war, fotografierte ich zunehmend als Hobby.
Bei Spaziergängen drückte ich in den Momenten auf den Auslöser, die mir gefielen. Obwohl dies zu meiner bevorzugten Art des Fotografierens wurde, dachte ich weiterhin, ich müsse mir des Motivs bewusst sein.
So begann ich im Nachhinein nach einer Antwort zu suchen: „Was sollte ich zum Hauptmotiv machen?“ oder „Wie gestalte ich die Komposition, damit das Motiv deutlich erkennbar ist?“

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Foto von HANA-STUDIO

Ohne es zu bemerken, suchte ich nicht mehr nach dem, was mich wirklich anzog. Stattdessen wurde es zu meinem Ziel, Motive zu finden, die allgemein als „fotografisch gelungen“ galten.
Von da an bereitete mir die Fotografie weniger Freude als zuvor.

Entscheidend war nicht das „Bewusstsein“, sondern das „Erkennen“

Als ich später meine Lieblingsaufnahmen noch einmal betrachtete, entdeckte ich eine Gemeinsamkeit.
Ich hatte zwar geglaubt, Blumen zu fotografieren, doch tatsächlich waren es nicht die Blumen selbst, die mich anzogen. Vielmehr reagierte ich intensiv auf das „Licht“ – auf Licht, das Blüten durchdringt, auf Konturen, die im Gegenlicht hervortreten, oder auf das Spiel des Sonnenlichts zwischen den Blättern.

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Foto von HANA-STUDIO

Während des Fotografierens war mir das nicht bewusst.
Ich fotografierte einfach, weil ich etwas als „schön“ empfand.
Was ich brauchte, war daher nicht, mir vor der Aufnahme ein Motiv zu überlegen, sondern nach dem Fotografieren zu erkennen, worauf ich reagiert hatte.

Die eigene Art zu sehen ist bereits vorhanden

Wenn Sie das Gefühl haben, nicht zu wissen, was Sie fotografieren sollen, müssen Sie nicht krampfhaft versuchen, ein Motiv zu konstruieren. Betrachten Sie zunächst noch einmal die Aufnahmen, die Sie gemacht haben, weil Ihnen etwas daran gefiel.

Vielleicht entdecken Sie darin Dinge, auf die Sie immer wieder reagieren: Licht, Farben, Gesichtsausdrücke oder eine stille Atmosphäre.  

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Foto von HANA-STUDIO

Gerade diese Gemeinsamkeiten machen Ihre persönliche Sichtweise aus. Fotografische Techniken zu erlernen ist wichtig. Ebenso wichtig ist es jedoch, zu verstehen, was Sie innerlich berührt.  

Ein Motiv ist nichts, das man bewusst konstruieren muss – vielmehr ist es etwas, das uns die eigenen Fotografien erkennen lassen.

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