Das von cizucu weltweit veranstaltete „photo poster project (ppp)“ ist weit mehr als eine gewöhnliche Fotoausstellung. Es ist eine Community, in der alle ihre Geschichten in einem geschützten Rahmen teilen können, und zugleich eine Gelegenheit, Kreativen aus aller Welt persönlich zu begegnen.
Als Sonderausgabe von ppp fand am Sonntag, dem 12. Juli, im „STAYFUL LIFE STORE“ in Mitaka, Tokio, das „photo poster project for Woman (ppp for Woman)“ statt. Dieses ppp für Frauen richtete sich an „alle Menschen, die sich selbst als Frau identifizieren“, um noch mehr Menschen einen sicheren Raum für die Freude an Fotografie zu bieten.
Dieses Mal sprechen wir mit 穂(スイ) und oku yuuka, die als Mitglieder des Organisationsteams von „ppp for Woman“ mitwirkten. Von ihren Beweggründen über ihre Eindrücke im Ausstellungsraum bis hin zu ihren Hoffnungen für die Zukunft von „ppp for Woman“ blicken wir durch ihre persönlichen Schilderungen auf die Begegnungen und Verbindungen zurück, die an diesem Tag entstanden.
Q.01Stellt euch bitte zunächst vor und erzählt uns, was euch bei der Organisation besonders wichtig war!
穂(スイ)
Normalerweise fotografiere ich vor allem analog; an ppp nehme ich seit der allerersten Ausgabe in Tokio teil.
Später begann ich, auch als Teammitglied an der Organisation mitzuwirken.
Bei der Organisation ist es mir besonders wichtig, den Menschen hinter einer Fotografie kennenzulernen.
Ich möchte nicht nur das Werk betrachten, sondern auch den Hintergrund seiner Entstehung verstehen und den Gefühlen nachspüren, die sich in diesem Moment regten. Dabei wollte ich mir stets die Vorfreude und Anspannung meiner ersten Teilnahme bewahren und eine Atmosphäre schaffen, in der sich auch Menschen, die zum ersten Mal dabei sind, ungezwungen bewegen können.

oku yuuka
Da dies die erste ausschließlich Frauen vorbehaltene Ausgabe war, bot sie auch mir die Gelegenheit, mich erneut mit dem Thema Gender auseinanderzusetzen. Welchen Einfluss hatte es in meinem Leben, eine Frau zu sein? Durch diese Ausgabe begann ich erstmals, ernsthaft über diese Frage nachzudenken.
Auf die Frage, was es bedeutet, eine Frau zu sein, habe ich bis heute keine eindeutige Antwort. Dennoch habe ich sowohl Erfreuliches als auch Schwierigkeiten erlebt, weil ich als Frau wahrgenommen werde. Gerade deshalb wollte ich dieses Mal dafür sorgen, dass sich alle sicher und wohlfühlen, die sich bewusst für diesen Frauen vorbehaltenen Rahmen entschieden hatten. Ich wünschte mir eine Zeit, in der wir einander in unseren Empfindungen verstehen und zugleich Freude an unseren Unterschieden haben können.

Q.02Warum wolltet ihr euch diesmal als Teammitglieder bei „ppp for Woman“ engagieren?
oku yuuka
穂(スイ)
Natürlich verändert sich die Freude an Fotografie nicht grundlegend durch das Geschlecht. Dennoch glaube ich, dass das selbstverständliche Teilen spezifisch weiblicher Perspektiven und alltäglicher Wahrnehmungen zu neuen Entdeckungen und Ausdrucksformen führen kann.
Gerade deshalb wollte ich dieses Mal dazu beitragen, diese Qualität anderen zu vermitteln. Ich wünschte mir, dass die Teilnehmerinnen ganz entspannt Freude an Fotografie haben und am Ende sagen können: „Ich bin froh, dass ich gekommen bin.“ Mit diesem Gefühl habe ich im Team mitgearbeitet.

Q.03Habt ihr bei der Durchführung Unterschiede zu den regulären Ausgaben festgestellt?
穂(スイ)
Dieses Mal gab es jedoch viele Momente, in denen wir uns mit dem Hintergrund eines Werkes und den Gefühlen beschäftigten, die sich im Augenblick seiner Entstehung regten. „Warum hast du diese Aufnahme gemacht?“ „Was hast du in diesem Moment empfunden?“ Durch solche Gespräche konnten wir selbst die Zeit und Atmosphäre hinter einer einzelnen Fotografie erspüren.
Gerade unter Frauen entstand auf natürliche Weise Empathie, und die Gespräche entfalteten sich, indem wir sie mit unseren eigenen Erfahrungen und Gefühlen verknüpften. Dass uns die Fotografie einen Zugang zu den Wertvorstellungen und Sichtweisen der jeweiligen Person eröffnete, war für mich eine besondere Qualität dieser Ausgabe.
oku yuuka
Es herrschte eine offene, behutsame Atmosphäre, in der wir nicht nur über die Werke selbst, sondern ganz selbstverständlich auch über die Gefühle beim Fotografieren und ihre Hintergründe sprechen konnten. Im Verlauf der Gespräche spürte ich, wie die Distanz zwischen den Menschen hinter den Aufnahmen und ihren Betrachterinnen kleiner wurde. Vielleicht wirkte gerade deshalb auch die Atmosphäre der Fotografien zunehmend sanfter.

Q.04Gab es an diesem Tag einen Moment, der euch besonders in Erinnerung geblieben ist?
穂(スイ)
Obwohl sich viele zum ersten Mal begegneten, brachen die Gespräche kaum einmal ab. Es wurden so viele Gedanken ausgetauscht, dass die Zeit beinahe zu knapp erschien.
Natürlich freute es mich, von Teilnehmerinnen zu hören: „Es hat Spaß gemacht“ oder „Ich möchte wieder teilnehmen.“ Am meisten berührt hat mich jedoch, dass Verbindungen entstanden, durch die auch ich selbst dachte: „Ich möchte euch alle wiedersehen.“

oku yuuka
Es war sehr berührend zu sehen, wie die Menschen ringsum jedem einzelnen Wort ruhig zuhörten, Anteil nahmen und Verbindungen zu ihren eigenen Erfahrungen herstellten. Vielleicht vermittelte gerade der Frauen vorbehaltene Rahmen die Sicherheit, frei zu sprechen, ohne jedes Wort übermäßig abwägen zu müssen.
Q.05Hat diese Ausgabe bei euch persönlich Veränderungen bewirkt oder neue Erkenntnisse hervorgebracht?
oku yuuka
穂(スイ)
Für mich ist ppp nicht nur ein Ort, an dem wir einander Fotografien zeigen, sondern auch ein Raum, in dem wir die Geschichten ihrer Entstehung und die Dinge miteinander teilen können, die uns wichtig sind. Dieses Mal schienen solche Dialoge noch selbstverständlicher zu entstehen. Durch die Fotografie lernt man einen Menschen kennen, und neue Verbindungen entstehen. Die Perspektive, dass sich in Fotografien immer auch der Mensch zeigt, möchte ich weiterhin bewahren.

Q.06Welche Menschen sollten eurer Meinung nach an künftigen Ausgaben von „ppp for Woman“ teilnehmen?
oku yuuka
Auch ich habe nach der Veranstaltung mit Teilnehmerinnen in Cafés fotografiert und Fotowalks unternommen. So habe ich Fotofreundinnen gefunden, die ich auch privat treffen kann.
穂(スイ)
Technische Kenntnisse oder Erfahrung spielen selbstverständlich keine Rolle. Entscheidend ist, dass dies ein Ort ist, an den alle ihr authentisches Selbst mitbringen können. Darin liegt für mich die größte Qualität von „ppp for Woman“. Ich würde mich freuen, als eine der Personen, die diese Qualität vermitteln, unterstützend mitzuwirken.

Q.07Was erhofft ihr euch abschließend für die Zukunft von „ppp for Woman“?
oku yuuka
Manche Dinge lassen sich im Alltag nur schwer in Worte fassen, doch über die Fotografie können wir bisweilen ganz selbstverständlich darüber sprechen. Ich hoffe, dass durch solche gemeinsamen Momente immer mehr Räume entstehen, in denen wir uns sowohl mit uns selbst als auch mit anderen auseinandersetzen können.
穂(スイ)
Es wäre schön, wenn sich diese Initiative nicht nur in Japan, sondern auch international verbreiten und zu einem Ort werden würde, an dem Frauen aus unterschiedlichen Ländern und kulturellen Kontexten einander begegnen können.
Gerade weil die Fotografie eine gemeinsame Sprache bildet, können wir über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg die Perspektiven und Gedanken anderer Menschen kennenlernen. Ich hoffe, dass sich solche Verbindungen in der ganzen Welt entfalten.



