photo poster project ist eine von cizucu weltweit veranstaltete Fotoposter-Ausstellung, an der man teilnehmen kann, indem man einfach eine Stadt und einen Termin auswählt.
Dieses von uns ppp genannte Projekt ist weit mehr als eine gewöhnliche Fotoausstellung. Es ist eine Community, in der alle ihre eigene Geschichte in einem geschützten Rahmen teilen können, und zugleich eine Gelegenheit, Kreativen aus aller Welt im realen Leben zu begegnen.
Diesmal haben wir mit Jodi gesprochen, die an photo poster project teilgenommen hat.

Bitte stell dich kurz vor!
Hallo, ich bin Jodi. Ich fotografiere seit 2014. Angefangen habe ich ganz ungezwungen, indem ich meine Familie und Dinge fotografierte, die mir in meinem unmittelbaren Umfeld ins Auge fielen.
Mit der Zeit wurde mir bewusst, wie sehr mich die Street Photography fasziniert. Ich liebe es, ungestellte Momente des Alltags, natürliche Gesichtsausdrücke, spontane Reaktionen sowie das Spiel von Licht und Schatten festzuhalten.
Die Fotografie hat mir vor Augen geführt, wie wertvoll das ist, was ich bereits habe. Zugleich hat sie mich gelehrt, dass ein einziges Geschehen aus vielen Perspektiven betrachtet werden kann und mehrere Wahrheiten in sich trägt – so wie sich auch ein fotografisches Motiv auf unterschiedliche Weise ins Bild setzen lässt.
Vor allem aber ist mir wichtig, dass sich jede einzelne Aufnahme, bei der ich den Auslöser betätige, für mich selbst richtig anfühlt.
Was hat dich zur Teilnahme bewogen?
Tatsächlich war dies meine erste Teilnahme an einer Fotoausstellung. Der Anstoß kam, als ich zufällig einen Beitrag über eine ppp-Ausstellung sah, den eine bekannte Person auf Instagram veröffentlicht hatte. Anschließend erfuhr ich über den Instagram-Account von cizucu von der Ausstellung im März und beschloss, mir zunächst selbst vor Ort ein Bild zu machen.
Besonders in Erinnerung blieb mir die herzliche Atmosphäre der Community. Beim Betrachten der ausgestellten Fotografien hatte ich das Gefühl, als läge dort behutsam ein Teil der Erinnerungen jeder Fotografin und jedes Fotografen. Jedes einzelne Werk zog mich ganz unmittelbar in seinen Bann.

Bei dieser Veranstaltung lernte ich auch Isaac und Arthur kennen, die im März bei ppp ausstellten. Beide ermutigten mich zur Teilnahme und gaben mir sogar Ratschläge für meine Präsentation. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
Offen gesagt war ich anfangs etwas unsicher. Ich wusste nicht, ob meine Arbeiten interessant genug für eine Ausstellung sein würden. Dennoch entschied ich mich zur Teilnahme, weil ich darin eine persönliche Herausforderung, eine neue Erfahrung und eine Chance zur Weiterentwicklung sah.
Wie war es, tatsächlich teilzunehmen?
Durch meine Teilnahme an der Ausstellung hatte ich das Gefühl, einen neuen Meilenstein auf meinem fotografischen Weg erreicht zu haben.
Bis dahin existierten meine Fotografien fast ausschließlich im digitalen Raum. Die Filmnegative waren eine der wenigen materiellen Formen, in denen ich meine Bilder tatsächlich berühren konnte. Als meine Fotografie schließlich als Poster Gestalt annahm und ich es in den Händen hielt, war es, als hielte ich ein Fragment der Vergangenheit fest. Das erfüllte mich mit tiefer Zufriedenheit.
Früher war das Veröffentlichen meiner Fotografien auf Instagram für mich eine Art digitales Tagebuch. Doch vor anderen über meine Bilder zu sprechen und ihnen die Arbeiten unmittelbar zu zeigen, brachte eine Freude und Erfüllung mit sich, die sich durch das bloße Posten auf dem Smartphone nicht erreichen lässt.

Auch das Team von cizucu war ausgesprochen freundlich und unterstützte mich mit großer Herzlichkeit. Dadurch ließ meine Nervosität vor der Präsentation nach, und ich konnte mich vor Ort sicher und aufgehoben fühlen.
Über ppp habe ich außerdem neue Freundschaften geschlossen – mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten, die jedoch alle dieselbe Leidenschaft für Fotografie teilen.
Warum hast du dich gerade für dieses Werk entschieden?
Ich habe diese Fotografie als Reaktion auf die rasanten Veränderungen, den Wandel unserer Wertvorstellungen und die globale Unsicherheit ausgewählt, mit denen wir gegenwärtig konfrontiert sind.
Zu sehen ist eine ältere Frau, die, umgeben von zum Verkauf angebotenem Obst, dasitzt und zu einer hängenden Leuchte aufblickt. Ihre Haltung wirkt, als suche sie nach einem schwachen Hoffnungsschimmer. Angesichts der täglichen Nachrichten über den rasanten technologischen Fortschritt und geopolitische Spannungen spiegelt ihr Anblick für mich unser eigenes Empfinden wider: Wir bewegen uns durch eine ungewisse Zeit und suchen dabei nach einem verlässlichen Orientierungspunkt.

Der Anblick dieser Frau erinnert mich zugleich an Singapurs Wet-Market-Kultur. Diese Märkte, die seit Langem den täglichen Einkauf und die häusliche Esskultur prägen, scheinen allmählich aus dem Mittelpunkt des Alltags zu rücken, während sich das Interesse der Menschen zunehmend modernen Supermärkten und gastronomischen Angeboten zuwendet.
In dieses Bild habe ich die Frage eingeschrieben: „Wo bleiben das menschliche Leben und seine Erinnerungen bewahrt?“
Für alle, die noch überlegen, an photo poster project teilzunehmen
Ganz gleich, ob ihr gerade erst mit dem Fotografieren begonnen habt oder schon seit vielen Jahren fotografiert: Dies ist ein Ort für alle, die Fotografie lieben.
Vor Publikum zu sprechen und die eigenen Arbeiten zu zeigen, kann zunächst beängstigend sein. Doch wenn ihr diese eine Minute überwunden habt, erwartet euch ein ganz persönliches Gefühl der Erfüllung.
Und ihr werdet eine Community finden, in der Menschen die Welt ähnlich betrachten wie ihr und sich gemeinsam mit euch über eure individuelle Perspektive freuen.


