MAGAZINE

photo poster project | Ein Ort, an dem Fotografie „verweilt“. Der Tag, an dem Worte die Welt erweiterten von Yui Nakamura | ISSUE #239

By cizucu ·

photo poster project | Ein Ort, an dem Fotografie „verweilt“. Der Tag, an dem Worte die Welt erweiterten von Yui Nakamura | ISSUE #239

Das von cizucu weltweit veranstaltete Ausstellungsformat ermöglicht es, durch die Wahl von Stadt und Datum unkompliziert teilzunehmen.

Das von uns als ppp bezeichnete Projekt ist weit mehr als eine reine Fotoausstellung. Es ist eine Community, in der jede:r seine eigene Geschichte in einem sicheren Rahmen teilen kann, und bietet die Chance, sich im realen Raum mit Kreativen aus aller Welt zu vernetzen.

Dieses Mal haben wir mit der Künstlerin Yui Nakamura gesprochen, die am teilgenommen hat.

Bitte stelle dich kurz vor!

Mein Name ist Yui Nakamura. Im April dieses Jahres bin ich ins zweite Jahr meines Berufslebens gestartet. Während meines Studiums habe ich Magazine für Schüler:innen und Studierende konzipiert und vertrieben.

Schon immer habe ich mich für Kameras interessiert, aber irgendwo dachte ich, es sei vielleicht zu schwierig für mich oder ich sei nicht dafür geeignet, und hielt daher Abstand. Doch mit dem Einstieg ins Berufsleben wollte ich mich bewusst mit meinen Leidenschaften und den Dingen auseinandersetzen, die ich immer ausprobieren wollte, aber aufgegeben hatte – so begann ich mit der Fotografie.

Was hat dich zur Teilnahme motiviert?

Früher habe ich einmal an einer Sonderausgabe von in Yokohama teilgenommen. Damals gab es keine Gelegenheit für ein Gallery Talk, sodass ich weder meine Gedanken zu meinen Fotografien mitteilen noch die Perspektiven anderer direkt aufnehmen konnte.

Gerade deshalb hat mich dieses Mal die Möglichkeit angesprochen, in einem direkten Austausch über Fotografie zu sprechen – das war mein Antrieb zur Teilnahme.

2026-06-ppp-review-by-iamyu-ii-image-7

Wie hast du die Teilnahme erlebt?

Als ich meine eigenen Fotografien gedruckt und im Raum arrangiert sah, war das zunächst ein seltsames Gefühl. Im Vergleich zu den Bildern, die ich sonst nur auf dem Smartphone betrachte, wirkten sie plötzlich ganz anders.

Besonders eindrücklich war für mich der Moment, als jemand stehen blieb und sich meine Arbeit intensiv ansah. Ein Bild, das im digitalen Raum einfach vorbeizieht, kann in einer Ausstellung „verweilen“ – das war für mich eine neue, frische Erfahrung.

2026-06-ppp-review-by-iamyu-ii-image-10

Im Gallery Talk hatte ich, wenn auch nur kurz, die Gelegenheit, meine Fotografien in Worte zu fassen und zu vermitteln. Bis dahin hatte ich kaum je meine Arbeiten jemandem erklärt, daher war es umso schöner, dass mir direkt zugehört wurde.
Gleichzeitig war ich überrascht, wie unterschiedlich Menschen selbst ähnliche Motive wahrnehmen – das wurde mir beim Zuhören der Gallery Talks der anderen Ausstellenden bewusst. Durch die Hintergründe und Perspektiven, die man beim bloßen Betrachten der Fotografien nicht erkennt, konnte ich einen Einblick in die Welt der anderen gewinnen.

Manches wird einem erst durch Worte bewusst, anderes lässt sich wiederum nicht vollständig in Worte fassen – beides ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Es war eine Zeit, in der ich sowohl die Verbindung zwischen Fotografie und Mensch erleben konnte.

Warum hast du dich für dieses eine Bild entschieden?

Das Foto entstand in der Umgebung des Isshiki-Strandes.

Ich war ohne Ziel vom Bahnhof Zushi losgelaufen und bemerkte irgendwann, dass bereits fünf Stunden vergangen waren. Während meines Spaziergangs begegnete ich Menschen, die spazieren gingen oder einfach nur aufs Meer blickten – jede:r war in seinem eigenen Alltag unterwegs.

Für mich war es eine kleine Reise, für die ich etwa drei Stunden von zu Hause aus auf mich genommen hatte. Doch für die Menschen, die dort leben, ist das Meer keine Reise, sondern Teil ihres Alltags. Dieses Überlappen von Zeit hat mich nachhaltig beeindruckt.

2026-06-ppp-review-by-iamyu-ii-image-14

Ausgestelltes Werk dieser Ausstellung

Oft greife ich zur Kamera, wenn ich einen Moment festhalten möchte oder wenn meine Gedanken etwas ungeordnet sind. Während ich fotografiere oder nachdem ich fertig bin, fühle ich mich oft ein wenig klarer.

Auch im Austausch mit anderen Ausstellenden war es spannend, Gemeinsamkeiten zu entdecken, etwa darüber, wann und warum wir fotografieren – das ist mir besonders im Gedächtnis geblieben.

Für alle, die mit dem photo poster project liebäugeln

Ich habe viele Erkenntnisse gewonnen, die ich beim bloßen Fotografieren nie gehabt hätte.
Die eigene Sicht auf die Welt in Worte zu fassen und gleichzeitig die Sichtweisen anderer durch Fotografie und Sprache kennenzulernen – dieser Austausch hat meine eigene Perspektive erweitert.

Unabhängig von Likes oder Impressionen in sozialen Netzwerken bietet ppp die Möglichkeit, sich ganz auf die Fotografie einzulassen und darüber zu sprechen – das macht für mich den besonderen Reiz aus.

Für alle, die noch zögern: Es muss nichts „fertig“ sein. Manchmal verändert sich der Blick auf die Welt, wenn man seine Arbeit einfach mal nach außen trägt.
Es war eine Erfahrung, die mich motiviert hat, auch in Zukunft wieder teilzunehmen.

photo poster project

Empfehlungen der Redaktion