Kreative, die die Fotografie lieben, erzählen von ihren Kameras und deren Geschichten. In dem Begriff „Lieblingskamera“ spiegeln sich individuelle Lebens- und Wertvorstellungen wider. In dieser Ausgabe berichtet Hiro, der von Kameras und fotografischen Verfahren aus über 100 Jahren Vergangenheit fasziniert ist.
Gerade heute, wo digitale Kameras immer leistungsfähiger werden und man auch nach der Aufnahme das perfekte Bild anstreben kann, fühlt sich Hiro von der unwiederholbaren Zeit der analogen Fotografie angezogen. Im Dunkelraum Glasplatten laden, das Licht lesen und vor einer monumentalen Holzkamera ausharren – diese Unbequemlichkeit ist keine bloße Nostalgie, sondern ein wertvoller Rahmen, um sich ernsthaft mit der Welt auseinanderzusetzen.
Das auf der Glasoberfläche fixierte Bild zeigt die Fotografie als Objekt. Wir nähern uns behutsam diesem Reiz.
Was ist Glasplattenfotografie?
Die „Glasplatte“ ist ein lichtempfindliches Material, bei dem eine Gelatineemulsion auf eine Glasplatte aufgetragen wird – eine fotografische Technik, die sich im späten 19. Jahrhundert verbreitete. Da die Platten bereits im trockenen Zustand gehandhabt werden können, mussten Fotograf:innen nicht mehr wie bei der Nassplattenfotografie direkt vor Ort aufwendige Prozesse durchführen. Das erleichterte das Fotografieren außerhalb des Dunkelraums erheblich und markierte einen Wendepunkt in der Fotografiegeschichte. Auch George Eastman spielte eine wichtige Rolle, indem er die Glasplatte erschwinglicher und zugänglicher machte.

Photo by ヒロ
Die Faszination der in Glas eingeschriebenen Lichttiefe
Diese Fotografien besitzen eine geheimnisvolle Tiefe, als wäre das Licht direkt in die Glasoberfläche eingraviert.
Ein Bild, das als Objekt existiert und sich digital nie ganz erfassen lässt.
Mich hat die Welt der „Glasplattenfotografie“ aus vergangenen Zeiten in ihren Bann gezogen.

Photo by ヒロ
Die auf Glas projizierte Aufnahme vermittelt die Tiefe des „Moments“
Ich begann mit der Fotografie zu einer Zeit, als Digitalkameras längst weit verbreitet waren – während des Kumamoto-Erdbebens. Die OLYMPUS OM-1, die meine Mutter einst liebte, tauchte wieder auf.
Die Tatsache, dass eine über 40 Jahre alte Kamera nach etwas Pflege wieder zum Leben erweckt werden kann, hat mich tief beeindruckt. So begann meine Reise zurück in die Zeit, Schritt für Schritt.
Von verschiedenen Kameras und Filmen führte mich mein Weg schließlich zu einer monumentalen Holzkamera und den schweren „Glasplatten“ aus über 100 Jahren Vergangenheit.

Photo by ヒロ
Heute ermöglichen exzellente Sensoren und fortschrittliche RAW-Entwicklungstechnologien, dass man auch nach der Aufnahme kompromisslos nach dem idealen Ausdruck streben kann.
Auch ich weiß um die Freude und das Potenzial digitaler Experimente – doch gerade deshalb empfinde ich die von der Glasplattenfotografie auferlegte „Unfreiheit“ als unvergleichlichen Luxus.
Die Vorbereitung beginnt im Dunkelraum.
Im stockdunklen Raum, nur mit schwachem Safelight, wird die unbelichtete Glasplatte in den Halter eingesetzt. In diesem Moment frage ich mich voller Vorfreude: „Welches Licht soll dieses eine Bild tragen?“
Mit der noch unberührten Glasplatte in der Hand denke ich an die Motive und die Atmosphäre, die ich gleich einfangen werde – diese wenigen Minuten sind für mich ein unersetzliches Ritual.
Am Aufnahmeort gibt es kein Zurück mehr.
Das schwere Equipment wird aufgebaut, das Licht mit eigenen Augen gelesen, selbst die Bewegung der Wolken am Himmel wird beachtet – alle Sinne sind fokussiert. Für den einen Auslösemoment widme ich 30 Minuten, manchmal sogar eine Stunde.
Diese „einmalige Chance ohne Wiederholung“ erzeugt eine Spannung, die die Welt intensiver spürbar macht.

Photo by ヒロ
Auch die Zeit, nach der Aufnahme wieder im Dunkelraum zu verbringen, ist etwas ganz Besonderes.
Unter rotem Licht steigen aus dem in Entwickler getauchten Glas nicht nur das Bild des Moments, sondern auch die Temperatur und Farben hervor, die eigentlich nicht sichtbar sein sollten.
Manchmal gibt es Schwankungen, die nicht wie geplant verlaufen, doch selbst diese Unschärfen werden zum Beweis dafür, dass man „zu dieser Zeit, an diesem Ort“ war.

Photo by ヒロ
Ich fotografierte einen Schrein in der Stadt, und es erschienen Muster, die das Geheimnisvolle dieses Ortes widerspiegeln
Was mir die Kamera von vor 100 Jahren lehrt, ist der Reichtum der Zeit, in der man sich jenseits von Effizienz ernsthaft mit der Welt auseinandersetzt.
Indem ich auf Bequemlichkeit verzichte und das Gewicht des Glases in meinen Fingerspitzen spüre, fixiere ich das Licht als „Materie“.
Vielleicht möchten auch Sie dieses unbequeme, aber zugleich äußerst luxuriöse Erlebnis gemeinsam mit mir genießen.

Photo by ヒロ

ヒロ
Fotograf mit Sitz in Fukuoka. Nachdem er die OM-1 von seiner Mutter übernommen hatte, begann er, den Ursprüngen der Fotografie nachzuspüren. Heute arbeitet er mit antiken Kameras und Techniken aus über 100 Jahren Vergangenheit und widmet sich der „Fixierung von Erinnerungen“ auf Glasplatten. In ganz Fukuoka engagiert er sich für die Vermittlung der Faszination der Glasplattenfotografie.
cizucu:ヒロ
Instagram:@hiro_kanpan

