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Wo beginnt die Fotografie des „Dazwischen“? | Focus #639

By cizucu · 31. März 2026

Wo beginnt die Fotografie des „Dazwischen“? | Focus #639

Cover photo by サクヲ

Wo beginnt die Fotografie des „Dazwischen“? | Focus #639

Cover photo by サクヲ

Fotografie ist nicht nur ein Medium, das Dinge eindeutig voneinander trennt, sondern auch eines, das die Momente auffängt, in denen diese Trennung ins Schwanken gerät. Wenn sich das Stadtbild und das Innere eines Raumes auf einer Fensterscheibe überlagern, wenn sich bei Einbruch der Dämmerung das natürliche Licht mit dem Schein der Straßenlaternen misst, wenn eine Person mit der Landschaft verschmilzt und dennoch unverkennbar präsent bleibt – dann entdecken wir in einem einzigen Bild mehrere Welten.

Das Thema „Auf der Grenze“ lädt nicht dazu ein, eine Seite zu wählen, sondern zeigt vielmehr, dass gerade in dem Zustand, der sich nicht eindeutig zuordnen lässt, die fotografische Bedeutung liegt.

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Photo by lauchan

Innen und Außen, Natur und Künstlichkeit sind nicht strikt getrennt

So spiegeln sich in Fotografien durch ein Fenster gleichzeitig der Blick nach innen und die Außenwelt wider. Das Glas bildet zwar eine Grenze, doch Reflexion und Transparenz lassen diese Linie verschwimmen.
Auch wenn die Äste eines Straßenbaums Schatten auf die Fassade eines Gebäudes werfen, entsteht kein Gegensatz zwischen Natur und Künstlichkeit, sondern eine Beziehung, in der beide einander durchdringen und gemeinsam eine Szenerie formen.

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Photo by つばさ製作所

Im Dialog mit solchen Werken ist es wichtig, sich nicht vorschnell auf ein zentrales Motiv festzulegen. Indem wir den Zustand des Widerstreits mehrerer Elemente in den Fokus rücken, löst sich die Fotografie von bloßer Erklärung und wird zu einem Bild, das die Wahrnehmung der Betrachtenden leise in Bewegung versetzt.

Stille und Bewegung, Privatheit und Öffentlichkeit kreuzen sich in einem Bild

Grenzen zeigen sich nicht nur im Raum, sondern auch in Zeit und Gefühl. In Fotografien, in denen langzeitbelichtete, fließende Silhouetten von Menschen und unbewegte Gebäude koexistieren, sind Stillstand und vergehende Zeit gleichzeitig präsent. Auch Porträts, die an öffentlichen Orten wie Bahnhöfen oder Kreuzungen aufgenommen wurden, lassen sich als Szenen lesen, in denen sich der offene Raum und das individuelle Innenleben begegnen.

Was sichtbar wird, ist nicht bloßes Verweilen oder Vorübergehen, sondern der Moment, in dem das nach außen gerichtete Gesicht und die innere Stille aufeinandertreffen. Ein Tipp für die fotografische Praxis: Suchen Sie nicht nach der Linie selbst, sondern nach Orten, an denen die Linie ihre Bedeutung zu verlieren beginnt. Am Rand des Weges, im Übergang von Licht und Schatten, zwischen Tag und Nacht – hier treten Grenzen am reichhaltigsten hervor.

Die Stärke der Fotografie liegt darin, das „Sowohl-als-auch“ zuzulassen

Der Reiz dieses Themas liegt in seiner universellen Anwendbarkeit – ob in der Stadt, in der Landschaft oder im Porträt. Gerade deshalb ist es entscheidend, wie wir die alltägliche Ambivalenz wahrnehmen, statt auf besondere Inszenierungen zu setzen.
Beispielsweise ein Schaufenster, in dem das eigene Spiegelbild mit der Stadt verschmilzt, ein Himmel, der zwischen Morgen und Nacht seine Farbe verliert, oder eine Komposition, die hinter Stromleitungen oder dem Horizont eine fortlaufende Welt erahnen lässt. In solchen Szenen ist die Grenze keine Linie, sondern wird als Empfindung erfahrbar.

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Photo by hhhiroooki

Um die Interpretation eines Werks zu vertiefen, lohnt es sich, nicht nur zu fragen, „wo liegt die Grenze?“, sondern auch, „ist diese Grenze überhaupt notwendig?“. Schon diese Fragestellung verwandelt die Fotografie von einer bloßen Dokumentation der Szenerie in einen Ausdruck, der unsere Wahrnehmung der Welt herausfordert.

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